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Kolumne


Viel Spaß!

Vor ein paar Tagen ging ich sehr früh am Morgen mit meinem Hund auf einem Feldweg bei Jungingen spazieren. Der Tag war noch sehr jung, der Mond stand an einem Himmel, der noch so dunkel wie Bitterschokolade aussah und es war sehr, sehr frisch. Plötzlich sah ich eine Gestalt vor mir auftauchen. Ich sah genauer hin und erkannte einen älteren Mann, der ebenso seinen Vierbeiner ausführte. Als wir uns trafen, begrüßte ich den Mann mit einem fröhlichen „Guten Moorgen!“ Doch der herzliche Gruß verhallte im Nichts, wurde von der Dunkelheit quasi verschluckt, ohne Reaktion. Der Mann muffelte schweigend an mir vorbei. Was war das denn jetzt? Wer war das denn? Betreten ging ich weiter. Der unfreundliche Mann hatte wohl noch nichts von Elbert G. Hubbard gehört. Der amerikanische Essayist sagte einmal: „Sei vergnügt bis um 10 morgens. Der Rest des Tages wird dann wie von selber laufen.“ Zum Glück sind wir nicht alle so miesepetrig! Ich behaupte: Wir Ulmer (und Ulmerinnen) sind ein aufgewecktes und buntes Völkchen, das auch einige versprengte schwarze Schafe locker aushalten kann. Dennoch gibt es Mitmenschen, die man vor zehn Uhr am Morgen am besten nicht ansprechen sollte, die stundenlang damit beschäftigt sind wach und damit auch gut gelaunt zu werden. Wie ist das denn bei Ihnen zuhause oder im Büro? Das Schlimme ist, dass miese Laune mitunter durchaus auch schlechte Stimmung verbreiten kann. Ich reagiere dann besonders trotzig und schleudere einen ganzen Köcher voller Gute-Laune-Pfeile in die Menge. Aber das hilft auch nicht immer und mein Pulver ist schnell verschossen.

Doch es geht auch anders. In der vergangenen Woche lief ich morgens an einer Grundschule vorbei. Vor mir trottete eine Mutter mit ihrem Kind in Richtung Schule. Kurz vor der Türe rief die Mutter ihrem etwa achtjährigen Sprössling hinterher: „Wir sehen uns heute Nachmittag. Viel Spaß.“ Viel Spaß? In der Schule? Meine Mutter wünschte mir damals allenfalls: „Pass gut auf“ oder „Lerne was Gescheites“. Auch die Aufforderung „Benimm Dich anständig“ habe ich noch in den Ohren. Meine Schulzeit verbinde ich noch heute mit stickigen Räumen, schreienden Kinderhorden im Pausenhof, hinterhältigen mündlichen Prüfungen und strengen Lehrern, die darüber hinaus an so manchen Tagen auch richtig schlecht gelaunt waren. Doch ich erinnere mich auch an eine Szene, in der ich so richtig Spaß hatte. Damals, ich glaube, es war in der vierten Klasse, rannten mein Freund und ich durchs Schulgebäude und bewarfen uns, wenn auch nicht sehr zielgenau, mit nassen Tafelschwämmen. Was war das Ende vom schönen Lied? Ein ziemlich triefendnasser Konrektor, ein Eintrag ins Tagebuch und zwei Stunden Nachsitzen im Rektorat. Das war die Höchststrafe!

Zurück zum gutgelaunten Schulkind. Das drehte sich kurz vor der Türe noch einmal zu seiner Mama um und rief: „Ich wünsch Dir heute auch viel Spaß“ und verschwand lachend im Schulgebäude. Und ich? Ich hatte an diesem Morgen vor der Schule auch etwas gelernt. Herbert Grönemeyer hatte es in seinem Lied „Kinder an die Macht“ schon immer gewusst: „Gebt den Kindern das Kommando, sie berechnen nicht, was sie tun. Die Welt gehört in Kinderhände, dem Trübsinn ein Ende. Wir werden in Grund und Boden gelacht.“ In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein frohes 2018 und viel Spaß!



Bei seinen Recherchen zum Thema „Gute Stimmung, schlechte Stimmung“ stieß Autor Stefan Loeffler auf ein sehr anziehendes Zitat des englischen Schriftstellers William Makepeace Thackeray: „Von guter Laune kann man sagen, dass sie eines der besten Kleidungsstücke ist, die man in Gesellschaft tragen kann.“



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