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[Wortwechsel] Kolumne


Ein Pfeil nach oben, darunter Start mit Kreide auf einer Straße geschrieben

Haben Sie Vorsätze für 2019?

Eine Frage, drei Antworten

1Neues Jahr, neues Glück?

Nicht mit mir. Den Vorsatz, mir für das neue Jahr Vorsätze zu machen, habe ich schon lange über Bord geworfen. Denn wenn ich etwas an mir oder meinem Leben ändern möchte, brauche ich dafür nicht erst einen Jahreswechsel. Viel besser ist es doch, eine Entscheidung zu treffen und sie sofort umzusetzen. Zum anderen funktioniert es in der Regel sowieso nicht, dass die Vorsätze fürs neue Jahr am Ende auch durchgehalten werden. Zumindest ist das bei mir so. Da spare ich mir das schlechte Gewissen lieber. Und außerdem essen sich die restlichen Weihnachtsplätzchen auch nicht von alleine. Die Bikinifigur muss damit also wohl oder übel noch ein bisschen länger warten. Solange ziehe ich eben einen Badeanzug an. Wobei einen Vorsatz habe ich dann doch: Als Öpfinger ist Ulm für mich zwar keine komplett fremde Welt. Dennoch treibe ich mich nur selten in der Stadt herum. So „gschwend“ fährt man da halt auch nicht einfach hin. Als Neu-Redakteur für das wohin. soll sich das aber ändern. Denn wir wissen alle, Ulm hat so  einige schöne und spannende Ecken zu bieten, die ich noch gar nicht kenne. Und Sie vielleicht auch nicht. Wie wäre es also, wenn wir uns gemeinsam den Vorsatz machen, Ulm noch besser kennen zu lernen?

Sarah Blakowski

 

 

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Ein guter Vorsatz – ist das juristisch betrachtet nicht ein Paradox? Und menschlich doch irgendwie auch, oder?

Ich mag Schachtelsätze. Ich mag Absätze. Ich mag Gegensätze. Ich mag sogar manchmal Grundsätze. Aber Vorsätze? Ich weiß nicht … Irgendwie konnte ich dieses Nächstes-Jahr-wird-alles-anders-Gedöns an Silvester nie ernst nehmen. Im schlimmsten Fall hatte sich eine Freundin vorgenommen, im neuen Jahr auf Alkohol zu verzichten und ist Schlag zwölf zur gesundheitsdozierenden Spaßbremse mutiert, die pikiert kopfschüttelnd die gespreizte Hand übers Glas legte, wenn sich ihr jemand mit der Sektflasche näherte: „Für mich nicht. Ich trinke nicht mehr.“ Ich habe dann immer ein paar Sekunden gewartet, ob nicht doch alles nur ein Scherz wäre und sie gleich sagen würde: „… aber auch nicht weniger. Schenk ein!“ Doch leider blieb der Zusatz aus (Ich mag Zusätze). Stattdessen folgten harte Wochen mit mantraartigen Körperbewusstseins-Monologen bei lavendelhaltigem Tee mit Seifengeschmack. Verstehen Sie mich richtig: Ich finde das wunderbar, wenn Menschen sich weiterentwickeln und ich stehe auch immer gerne als Support zur Seite. Aber muss es ausgerechnet an Silvester sein? „Vorsatz“ – allein das Wort hat schon sowas Verbrecherisches: Vorsätzlicher Stimmungsmord durch Verzichts-predigten. Weniger Saustall, weniger Sofa, weniger Süßes – klingt alles sehr viel weniger sexy! Und sollte geahndet werden, mit einer Zwangsentspannung nicht unter vier Monaten. Denn: Wäre es nicht schlauer die Frühlingspower zu nutzen, statt im grauen Winter hyggelige Gewohnheiten abschaffen zu wollen? … Ich mag Suggestivsätze!

Barbara Lang

 

 

3 Die besten Vorsätze sind keine Vorsätze?

Und wieder ist er getan: Der Schritt zwischen den unerfüllten, liegenge-bliebenen Dingen und den neuen Vorsätzen. Just wenn die 8 der 9 Platz macht, steigen mitten in die Rauch geschwängerte Luft auch wieder nebulöse, neue Wünsche und Vorsätze mit den zischenden, krachenden, pfeifenden und säuselnden Raketen in den Himmel. Fitter werden – krach, peng, bumm – schöner, ordentlicher, gesünder – Lichterregen prasselt hernieder – mehr Zeit für Freunde, die Familie, ja auch für mich, die schönen Dinge des Lebens – Ah und Oh! Die guten Vorsätze sind fast ebenso reichlich wie das fast nicht enden wollende jährliche Feuerwerk, nur immerhin, eindeutig umweltfreundlicher und günstiger. Doch woher kommt eigentlich diese frustrierende Tradition? Und was spricht dagegen, Gewohntes zu durchbrechen? Der Schwabe wird ja – so heißt es – erst mit 40 gscheit. Und da 50 bekanntlich das neue 40 ist, könnte man ja mal was ganz Revolutionäres wagen: Zum Beispiel sich vornehmen, sich nichts vorzunehmen. Denn wer nichts erwartet – weder von sich noch von anderen – ist ja immer positiv überrascht. Manchmal sogar von sich selbst. Zumindest wenn es besser wird, als man es nicht erwartet hat, weil man sich ja nichts vorgenommen hat. Ja, einfach ist das alles nicht, merke ich und nehme mir – außer dem nächsten Glas Sekt – trotzdem nichts vor. Prost!

Elvira Lauscher

Unsere Autorinnen

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