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Kolumne


Schwein muss man haben. Oder?

Dass ein Marzipanschwein kein Glück bringt, sondern Schaudern, ist unserer Autorin schon lange klar. Aber wie läuft das dann mit dem Glück? Ist es wirklich klug, sich zum neuen Jahr VIEL Glück zu wünschen? Und kann ein Lottogewinn glücklich machen? Ein Fragen-Check:

Eine Kolumne von Barbara Lang

Neues Jahr, neues Glück – frei nach einer altbekannten Roulette-Weisheit starten wir ins Jahr Zwanzigzwanzig. Wir wünschen uns gegenseitig viel Glück – aber überlegen wir auch, was wir damit meinen? Was ist Glück? An der Frage haben sich vermutlich schon Heerscharen von Philosophen und Traurednern die Zähne ausgebissen. Ich versuche es trotzdem auch mal …

Was ist Glück?
Steckt das Glück tatsächlich im vierblättrigen Kleeblatt? Kommt es in der Gestalt eines Kaminkehrers oder eines Schweins in unser Leben? Sollte man nicht misstrauisch werden, wenn ausgerechnet ein giftiger Pilz als Glückssymbol gilt? Ist man wirklich ein Glückspilz, wenn man im Lotto gewinnt? Letzteres wollte ich genauer wissen und begab mich auf investigative Recherche: Ich spielte Lotto. Ein Zahlen-Feld für mich, eins für meinen Sohn. Wir waren sehr aufgeregt, als am Abend die Ziehung der Glückszahlen begann. Letztlich hatten wir zwei Richtige – ohne Superzahl. Bei nur sechs möglichen hört sich zwei ja erst mal gar nicht so schlecht an, dachte ich. Aber dann waren wir doch in einer Gewinnklasse, die bei den Quoten nicht mal mehr aufgelistet wurde. Umso mehr staunte ich, als ich Tage später auf meinem Kontoauszug einen Zahlungseingang der Staatlichen Toto-Lotto GmbH entdeckte. Ein gespannter Blick in die rechte Spalte verriet: Sie hatten mir 0,01 EUR überwiesen. Ich hatte tatsächlich im Lotto gewonnen! Für eine Herrenboutique in Wuppertal sollte es dennoch nicht reichen.

Der gute alte Glückspfennig
Ein Lottogewinn in Höhe von einem Cent. Was ist das: Glück? Pech? Unglück im Glück? Ein schlechter Witz? Oder vielleicht doch ein ziemlich guter? Für mich war es wie der berühmte Glückspfennig, den man auf der Straße findet und leise lächelnd einsteckt – nur ein bisschen weniger nostalgisch und haptisch. Dafür aber mit einer kleinen Erkenntnis verbunden: Ich forderte das Glück heraus und wollte schnöden Mammon von ihm. Das Glück kam zu mir und lieferte das Gewünschte – zusammen mit einem fetten schelmischen Augenzwinkern. Es ist also wohl doch, wie man landläufig behauptet: Das Glück steckt in den kleinen Dingen und jeder muss es für sich selbst und immer wieder neu entdecken! Vermutlich hat es gar nicht die Gestalt einer beflügelten Fortuna mit viel Bling-Bling im Füllhorn. Ich stelle mir das Glück eher wie einen liebenswerten Till Eulenspiegel vor, der uns immer wieder spitzbübisch verkleidet begegnet – und nur, wer seinen Blick dafür schärft, entdeckt, dass er gerade Glück hat. Warum sonst sollte Taubenkacke auf der Schulter wohl mit Glück zu tun haben? Es geht vielleicht einfach nur darum, aus dem Alltagstrott gerissen zu werden, die Komik der Situation zu erkennen, herzlich zu lachen und durch den Abstand zu merken, wie schön das Leben doch ist.

Die Dosis macht das Glück
Ich möchte mir auch gar nicht ausmalen, wie es sich anfühlen würde, immerimmer glücklich zu sein. Das wäre wie an diesen Lachflash-Abenden mit Freunden, zu viel Alkohol und sich hochschaukelnden Running Gags – wenn einem die Gesichts- und Bauchmuskeln schon weh tun und man fleht: „Hört’s auuuuuf!“ Ehrlich jetzt, wer wollte es Tag für Tag aushalten, dauergrinsend durch die Welt zu laufen? Man bekäme aus dem Nacken ziehendes Perma-Kopfweh und Kälteschmerz an den Zahnhälsen, weil man vor lauter glücksseligem Zähneblecken den Mund nicht mehr schließen könnte. Nein, das wollen wir nicht! Es ist eine klare Sache – Glück ist wie Sex, Sekt und Silvester: Zu viel davon macht Kater! In diesem Sinne: Ich wünsche Ihnen wohldosiertes Glück für das neue Jahr.

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