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Kolumne


Entchen gegen Viren

Na, alle wieder an Bord? Jetzt, wenn uns die ersten Sonnenstrahlen wieder wärmen, sind die eisigen Tage Mitte März und wohl auch die Grippewelle vergessen, die auch über Ulm hereingeschwappt war. Hat sie Sie auch erwischt oder wurden Sie von Husten, Schnupfen und Heiserkeit verschont? Wenn ja, dann lag es vielleicht daran, dass Sie sich gut gegen die fiesen Viren geschützt haben. Oder Sie hatten ganz einfach nur  Glück.

Doch Schutz und Hygiene sind enorm wichtig. In der Südwest Presse habe ich einen Bericht gelesen, in dem eine Apothekerin den Lesern empfahl in Bussen und Straßenbahnen Handschuhe zu tragen und regelmäßig die Hände zu waschen. Und zwar richtig! Um den gewünschten Reinigungseffekt zu erzielen, solle man, so die Pharmazeutin, beim Einseifen der Hände zwei Mal das Kinderlied „Alle meine Entchen“ vor sich hinsingen.

Dieser Vorschlag hat mich ein bisschen stutzig gemacht. War er ernst gemeint? Lernt man diesen Trick im Studium? Ich habe das ausprobiert und kam auf 18,46 Sekunden. Reicht das zum Händewaschen oder soll man alle vier Strophen singen? Und wer kennt die schon (noch)?

Dennoch: Die Idee, sich für etwas ganz bewusst die nötige Zeit zu nehmen, ist gut. Und auch wichtig. Und das bezieht sich ja beileibe nicht nur auf das Waschen der Hände, sondern zum Beispiel auch auf das Zähneputzen. Viele Dentisten empfehlen, dass man die Zähne am Tag mindestens drei Minuten reinigen soll, um möglichst viele Bakterien und Speisereste wegzuschrubbeln. Drei Minuten. Das kann bei so einer eintönigen Sache ganz schön lang sein, nicht? Also, immer mit der Ruhe und singen! Doch was und vor allem wie? Ich habe es für Sie, liebe Leserinnen und Leser, einmal mit dem Lied „Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad“ probiert, das genau 3,23 Minuten dauert. Ehrlich, ich habe selbst kein Wort verstanden. Wegen der Zahnbürste. In diesem Fall macht Summen wirklich mehr Sinn, zumal der Text nicht gerade der Hit ist.

Im Ernst, wir sollten uns wirklich wieder ganz bewusst Zeit für gewisse Dinge nehmen. Haben Sie einen Hund? Wie lange gehen Sie morgens mit ihm „Gassi“? Mal so kurz ums Eck oder länger? Nehmen Sie sich doch einfach einmal eine Stunde Zeit. Ihr Vierbeiner wird es Ihnen danken. Um die Zeit ausreichend zu überbrücken können Sie ja zum Beispiel den „Faust“ zitieren. Sie wissen schon: „Habe nun, ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie durchaus studiert, mit heißem Bemühn. Da steh‘ ich nun, ich armer Tor, und bin so klug als wie zuvor!“ Wie, Sie können Faust nicht auswendig? Dann nehmen Sie einfach ein Buch mit. Aber bitte nur Teil 1, denn mit Teil 2 wird es auch für den Hund etwas zu lang. Übrigens, der Dichterfürst selbst hat sich dem Thema Zeit immer wieder angenommen. Von ihm stammen die Zitate „Mein Erbteil wie herrlich, weit und breit! Die Zeit ist mein Besitz, mein Acker ist die Zeit“ und „Die Zeit ist unendlich lang und ein jeder Tag ein Gefäß, in das sich sehr viel eingießen lässt, wenn man es wirklich ausfüllen will.“

Doch zurück zum Ausgangspunkt. Ich finde die Idee der Apothekerin mittlerweile gar nicht mehr komisch, hat sie mich doch darauf gebracht, wie wichtig es ist, sich tagtäglich Zeit zu nehmen. Für die körperliche Hygiene und für das Haustier. Und natürlich auch für sich selbst. Machen Sie mit. Und wenn Sie partout nicht singen oder rezitieren möchten, sondern eher die Stille bevorzugen, dann probieren Sie es einfach mit Meditation. Denn dabei kann man einfach so wunderbar die Klappe halten.


Unser Autor Stefan Loeffler wurde von der Grippe verschont. Ob es nur am ausgiebigen Händewaschen lag, weiß er nicht. Vielleicht hatte er einfach keine Zeit darüber nachzudenken, so wie der Grafiker Joachim Faudt, der einst sagte: „Es schadet der Gesundheit, zu viel an Gesundheit zu denken.“

 


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