EBNER MEDIA GROUP – Lokale Medien

[Wortwechsel] Kolumne


Eine Sanduhr

Einfach mal die Zeit genießen

Man kann die Zeit nicht zurückdrehen, sie aber bewusster nutzen
 
Gerade war doch noch Weihnachten. Und jetzt steht Ostern bereits vor der Tür? Schon wieder sind drei Monate von 2019 vorbei, der Frühling hat auch die letzten Reste des Winters vertrieben und ich sollte mich dann doch so langsam mal um meine Steuererklärung kümmern.
 
Mit jedem neuen Jahr habe ich das Gefühl, dass die Zeit noch schneller vergeht. Schienen die Tage bis Weihnachten als Kind unendlich, hetzt man als Erwachsener von einem Termin zum nächsten. Die Zeit auch mal genießen und entspannen? Fehlanzeige. Und es geht nicht nur mir und Ihnen so. Schauen Sie sich einmal um: Freunde, Bekannte, Familie – sie alle sind mindestens genauso verplant.
 
In Zeiten von Selbstoptimierung und Effizienz schaffen wir es zwar, berufliche Verpflichtungen, Familienfeiern und den wöchentlichen Sport unter einen Hut zu bringen. Dabei vergessen wir aber oft, uns Zeit für uns selbst oder unsere Lieben zu nehmen. Eine meiner guten Freundinnen ist meistens so im Freizeitstress, dass ich sie gefühlt acht Wochen vorher fragen muss, ob wir mal wieder etwas gemeinsam unternehmen. Das frustriert nicht nur, sondern gibt irgendwann auch Grund zur Sorge. Wenn sie schon keine Zeit für mich hat, wie soll sie dann Zeit für sich selbst haben, um mal runterzukommen?
 
„Man muss nicht ständig beschäftigt sein. Es ist in Ordnung, auch mal nichts zu tun, auf dem Sofa ein Buch zu lesen oder sich im Garten zu sonnen.“
 
Die Zeit ist für uns ein so wertvolles Gut, dass wir sie am besten bis zur letzten Sekunde ausnutzen wollen. Einfach mal die Seele baumeln zu lassen, ist da nicht drin. Ehe man sich versieht, ist dann wieder ein Jahr vorbei und man fragt sich, wo die Zeit geblieben ist. Ist Ihnen das auch schon so ergangen? Dann sollten Sie mal einen Schritt zurückmachen und tief durchatmen. Denn man kann die Zeit zwar nicht zurückdrehen, sie dafür aber bewusster nutzen.
 
Machen Sie in Ihrem Terminkalender also Platz und gönnen Sie sich ein paar Stunden in der Woche, die nur Ihnen gehören und in denen Sie das tun können, worauf Sie Lust haben – ganz ohne Zeitdruck. Für mich ist das inzwischen ein festes Ritual. Oder schnappen Sie sich Ihre beste Freundin und gehen mit ihr eine Tasse Kaffee trinken, ohne auf die Uhr zu sehen. Gerade jetzt, wo der Frühling in Ulm Einzug hält, ist dafür der ideale Zeitpunkt. Die Stadt ist aus ihrem Winterschlaf erwacht, die Eisdiele um die Ecke lockt wieder mit köstlichen Sünden und bei Sonnenschein liegt es sich im Garten oder auf der Terrasse auch viel besser.
 
Ein Foto von Sarah Blakowski
 
Denken Sie daran: Man muss nicht ständig beschäftigt sein. Es ist in Ordnung, auch mal nichts zu tun, auf dem Sofa ein Buch zu lesen oder sich im Garten zu sonnen. Und wer Ihnen dabei ein schlechtes Gewissen macht, hat noch nicht verstanden, dass es mindestens genauso wichtig ist, die Zeit auch einfach mal ganz ohne Stress verstreichen zu lassen. Denn gerade weil sie so wertvoll ist, sollte nicht jede Minute mit Meetings, Hausarbeit oder sonstigen Terminen verplant sein.
 
Ironischerweise tickt die Uhr im Wohnzimmer unaufhörlich, während ich diese Zeilen tippe. Fast schon penetrant erinnert sie mich daran, wie eine Sekunde um die andere
unwiederbringlich verrinnt, während meine Gedanken um tausend Dinge kreisen, die ich heute eigentlich noch erledigen sollte. In diesem Sinne: Nutzen Sie Ihre Zeit bewusster und lassen Sie zwischendurch einfach mal die Seele baumeln. Ich geh jetzt erstmal einen Kaffee mit meiner Freundin trinken. Die hat nämlich endlich Zeit.
 
Sarah Blakowski

 

zurück