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[Wortwechsel] Kolumne


Fluss Donau mit vielen Sclauchbooten und Flössen, Nabada

Juhu, Schwörmontag!
Mmh, Schwörmontag?
Gemaltes Bild mit Papierschiff auf Wellen

Feste leben von Traditionen, Begegnungen und Erinnerungen

Ich freue mich. Echt. Jedes Jahr aufs Neue! Schwörwoche in Ulm! Großartig. Doch das war nicht immer so. Tatsächlich erinnere ich mich nicht daran, die Ulmer Festivitäten als Kind mitgemacht zu haben. Und das, obwohl ich in Ulm geboren und aufgewachsen bin – allerdings nicht in der Stadtmitte, sondern in Ortsteilen wie Wiblingen oder am Eselsberg. Ob das etwas mit der Festfreude in unserer Familie zu tun hatte, weiß ich nicht. Die Feste und insbesondere das Nabada habe ich für mich erst mit Freundinnen und unseren Kindern entdeckt. Und da beginnen sie schon, die unendlichen Erinnerungen! Das Packen des Rucksackes mit Decke, Sonnencreme, Keksen und dem Notwendigsten für Kinderbedürfnisse, Schirme gegen die größten Spritztiraden am Schwörmontag, das Füllen der zahlreichen Wasserbomben, die dann mit jährlich wachsendem Mut der Kinder auf die Bootles-Nabader geschleudert wurden. Und danach mit den Strömen in Richtung Volksfest und zum Tanzen, Tollen und Hallo-Sagen in einen der Kindergärten in der Friedrichsau. Am liebsten natürlich zu „Robbie and Friends“, das hat ebenso Tradition wie die Zuckerwatte auf dem Nachhauseweg. Und das ist geblieben – auch wenn man sich nun meist Kinderlos trifft. Und wem man so alles beim Nabada und natürlich auch bei dem romantischen samstäglichen Vorabend, der Lichterserenade, begegnet. Unglaublich! Das ist vielleicht der Ulmer-Bonus, den die Neigschmeckten nicht so nachvollziehen können. Und immer gibt es was zu erzählen, zum Beispiel von dem Jahr, in dem die Schiffe gezogen werden mussten, da die Donauströmung zu schwach war und es eher ein Naschleicha der Boote war.Elvira Lauscher Oder von der Entenformation, die sich vor den Booten wie eintrainiert in einem optisch perfekten Dreieck den klatschenden Zuschauern präsentierte. Oder von dem Wolkenbruch, bei dem die Leute Woodstockmäßig im Nassen einfach weitertanzten. Ja, da könnte man unendlich erzählen… Aber am besten schaffen Sie sich ihre eigenen Erinnerungen und lassen sich einfach von der Lust am Feiern mittreiben!

Elvira Lauscher

 

Ein etwas seltsamer Montag
in der Stadt

Als Landei betrachtet man Stadtmenschen ja sowieso immer etwas argwöhnisch. Umgekehrt ist es schließlich genauso. Wenn es um den Schwörmontag geht, sind die Ulmer dabei besonders in den Fokus geraten. Schon als Kind konnte ich nicht verstehen, was es mit diesem ganzen Schwören auf sich hatte und auch zwanzig Jahre später frage ich mich manchmal noch, was da eigentlich vor sich geht. Irgendwann zu Teenagerzeiten kamen dann die ersten, die sich auf den weiten Weg nach Ulm gemacht haben, um den Schwörmontag dann doch einmal mitzuerleben. Natürlich mit dem Zug und einem Dosenbier. Den Rest der Schwörwoche interessiert auf dem Land ja keinen. Da ist man schließlich mit Traktorfahren beschäftigt. Im letzten Jahr habe ich es dann doch tatsächlich einmal am Schwörmontag nach Ulm geschafft. Zum allerersten Mal in meinem Leben. Die Schwörrede habe ich zwar ausgelassen, aber beim Nabada war ich zumindest am Donauufer voll dabei… soweit ich mich noch erinnern kann. Ganz verstanden, was dabei vor sich geht, habe ich zwar immer noch nicht, aber das Grundprinzip von Olympia sagt es ja schon: Dabei sein ist alles. Und so war ich also im letzten Jahr dabei.Mann mit Strohhut und Lederhose und Sarah Blakowski auf altem Traktor Ob es auch dieses Jahr soweit kommt, wage ich zu bezweifeln. Denn leider hindert mich schon die Öpfinger Wehranlage an der Weiterfahrt mit meinem aufblasbaren Flamingo, den ich mir extra für das Nabada gekauft hätte. Daher werde ich wohl eher in den Garten liegen und die Ruhe auf dem Land genießen, wo ich den Trubel in Ulm nicht hören kann.

Sarah Blakowski

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