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[Wortwechsel] Kolumne


Durchsichtige Flasche mit Bügelverschluss vor blauem Hintergrund

Wasserjunkie!

Jeder von uns hat ja so seine Süchte. Unsere Autorin zum Beispiel, trägt immer eine Flasche Klares mit sich herum und könnte nie an einem Ort ohne Fluss leben.

Ich bin eine Trinkerin! Ich bekenne mich ohne Umschweife dazu: Ich bin süchtig. Kaum einen Schritt tue ich aus dem Haus, ohne meine Flasche.
Der nullprozentige Klare darin gibt mir einfach ein gutes Gefühl. Wenn ich „meinen Stoff“ einmal vergesse, werde ich äußerst nervös. Und das alles nur, weil ich einst im zarten Alter von 14 Jahren beim Anstehen an der Supermarktkasse in Ohnmacht gefallen bin. Kreislauf. Kommt vor in den Wachstumsjahren. Seitdem wurden mir schon allein beim Gedanken an Warteschlangen die Knie weich. Irgendwann sagte mir jemand, dass man nicht so schnell umkippt, wenn der Flüssigkeitshaushalt des Körpers gefüllt ist. Und so kam‘s, dass H2O eine meiner besten Freundinnen seit Jugendjahren und ständige Begleiterin in der Handtasche wurde.

Die Buddel als Allzweckretter
Der psychotherapeutische Effekt, dass ich mich durch die bloße Anwesenheit einer gefüllten Wasserflasche in Menschengedränge oder beim Herumstehen in schlecht belüfteten Räumen ohnmachtsresistenter fühle, ist im Laufe der Jahre etwas in den Hintergrund gerückt. Ich bin ja jetzt auch schon groß. Dennoch ist die Omnipräsenz von Wasser in meinem Leben unignorierbar. Nicht nur, dass ich an einem heißen Sommertag problemlos zwei bis drei Liter trinken kann und mit meinen halbstündlichen Pinkelattacken schon manchen Freund in den Wahnsinn getrieben habe. Mehr noch: Meine allgegenwärtige Buddel erwies sich von jeher als großartige Allzweckwaffe. Zum Beispiel in den ersten Mutter-Jahren: Mal abgesehen von „Mamaaa, ich hab Duascht!“, retteten mich diese 0,5 Liter regelmäßig bei Klebefinger- und Schmiermund-Alarm oder unvorhergesehenen Flecken auf Kleidungsstücken. Auch gegen meine Autospritzwasser-nachfüll-Vergesseritis ist mein Handtaschen-Wasser ein probates Akutmittel. Und überhaupt: Ist Wasser nicht das faszinierendste Element der Welt?

Elementare Erkennt-nassComic-Bild mit Text
Gibt es einen besseren Kick, als an klimaerwärmten Hitzerekordtagen bei knapp 39°C in die kühle Iller zu steigen, ein Stück gegen den Strom zu waten und sich wieder runtertreiben zu lassen? Gibt es einen beglückenderen Ort als einen Badesee am Sommermorgen, wenn die Ufer noch so leer und still sind, dass man den Flügelschlag der Libelle hören kann und die wenigen Stimmen der ersten ankommenden Badenixen über das noch glatte Wasser hallen? Und dann dieser Moment: untertauchen, ein paar kraftvolle Schwimmzüge, das Element fühlen, die Freiheit spüren – und zum Schluss ruhig auf den Rücken legen und floaten. Dieses einmalige Gefühl, vom Wasser getragen zu werden, sich umschmeichelt treiben zu lassen und die friedliche Szenerie tief einzuatmen. Hach, Sommer und Wasser sind schon ein kongeniales Paar! Und wie reich sind wir in Ulm mit Donau, Iller, Blau und Badeseen gesegnet.

Die Flasche in der Tasche
Weniger harmonisch läuft allerdings die Koexistenz meiner Pulle und meiner Handtasche! Ich habe mich ja damit abgefunden, dass ich als wandelnder Flaschentransporter niemals zu einer eleganten kleinen Clutch greifen darf. So lange ich mich aber weigere, Wanderrucksäcke zur Kategorie der Frauenhandtaschen zu zählen, finde ich kein Modell, das ein Fach hat. Mein oft nur nachlässig geschlossener Trinkbehälter fällt also regelmäßig im Großraum meiner Umhängebeutel um und flutet den Inhalt. Und wenn ich dann mal wieder meinen Geldbeutel samt Inhalt an der Wäscheleine aufhängen muss, frage ich mich insgeheim schon: Sind umkippende Frauen nicht doch umkippenden Flaschen vorzuziehen?

Barbara Lang

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