EBNER MEDIA GROUP – Lokale Medien

[Wortwechsel] Kolumne


Zwei Bilder mit Gesichtern von Redakteurinnen Elvira Lauscher und Barnara Lang

Viel macht auch viel Spaß!

Ja, ich freue mich. Sehr sogar. Die Kulturnacht gehört für mich zu den jährlichen Highlights, auch wenn diese Veranstaltung im Verhältnis zu den traditionellen Ulm und Neu-Ulmer-Festivitäten sozusagen in der späten Pubertät steckt. Gerade erst die 19. Kulturnacht wartet am 21. September auf die Besucher, die zuhauf und zahlreich die Stadt bevölkern. Überall pulsiert und lebt es, an jeder Ecke findet etwas statt, da wird getanzt, gelacht, dort gestaunt, hier klingen Musikfetzen aus der kurz geöffneten Tür, überall trifft man Bekannte, Freunde oder lernt interessante Menschen kennen. Selbst der Münsterplatz wird an allen Ecken bespielt und die Fahrt in der Straßenbahn wird zum Kulturevent. Dazu lernt man Lokalitäten kennen, die man selbst als Kultur-affine Hiesige vorher nicht kannte. Das kostenlose Busnetz erschließt sich ebenfalls ganz neu.

Kultur verbindet und macht lebendig. Es ist schon eine besondere Atmosphäre, was vielleicht auch daran liegt, dass jeder durch die Stadt weiterziehen will, um die Investition in das Kulturbändel von 10,- Euro umfangreich zu genießen. Da bleibt es in jeder Lokalität in der Regel bei einem Getränk und der Alkoholgehalt wird gleich wieder weggetanzt oder gelaufen.

Gut, ein bisschen Stress ist auch dabei, bei so vielen Veranstaltungsorten. Über 120 sind es in diesem Jahr – da hat man schon die Qual der Wahl. Wie behält man da den Überblick? Ich habe mir ein Ritual angewöhnt, das sich bewährt hat: Wenn das Programmheft herauskommt, nehme ich mir einen Kaffee und mache es mir gemütlich. Das Heftchen wird gespickt, wie Muttis bester Sonntagsbraten. Allerdings nehme ich statt Speckstreifen kleine Post-its, die farblich in „Das muss sein“ oder „Eventuell interessant“ unterteilt sind. Dann wird der Anfang festgelegt und los geht’s. Ein weiterer Tipp: zeitig losziehen und immer offen bleiben. Der Weg ist das Ziel – das gilt auch in dieser viel zu kurzen Nacht. Denn manchmal landet man auch da, wo kein Post-it war und genießt es. Also einfach losgehen!

Elvira Lauscher


Atemlos durch die Nacht

Jahr für Jahr liegt es vor mir, wie eine große Tüte mit verlockend bunten Süßigkeiten: das Programm der Ulmer Kulturnacht. Je tiefer ich mich in die Seiten reinlese, desto mehr jubelt meine Begeisterungsfähigkeit und desto lauter kreischt die Nina Hagen in mir: „Ich kann mich gar nicht entscheiden, is’ alles so schön bunt hier!“ Am liebsten will ich von allem naschen: Ausstellungen, Theater, Tanz, Lesungen, Streetartisten, Hinter-die-Kulissen-kuck-Angebote und natürlich Konzerte satt. Aber allein dafür bräuchte ich ja schon mehrere Abende: Jazz, Pop, Soul, Electro, Dancefloor, Singersongwriter, Klassik, E-Gitarren-Geschrammel, Exotisches von sonstwoher, Chöre, Orchester … ich wäre am Rande des Hörsturzes, wenn ich mir alles reinziehen würde. Bin ich froh, dass ich zumindest Rock-, Cover- und Spaßbands ausschließen kann – für mich die Lakritze in der Süßie-Tüte: Bäh!

Bloß nicht mit Freunden sprechen!
Ein Ausschlussverfahren ist ja quasi die feige Abwandlung der Wahl. Aber für Orientierungslose wie mich die einzige Chance, um das Füllhorn auf eine verdauungsverträgliche Größe zu schrumpfen. Tapfer schmeiße ich also raus, was in die Rubriken „Nur mal so aus Neugier“, „Zu weit außerhalb“ und „Zu früh, zu spät oder zu lang“ fällt. Danach habe ich immer noch keinen wirklichen Fahrplan, aber ich fühle mich nicht mehr ganz so verloren … bis ich mit Freunden spreche. Ein fataler Fehler! Denn immer, immer, immer sagt irgendwer, dass ich Das-und-das unbedingt anschauen müsste: Acts, die ich zuvor aussortiert hatte. Lasse ich mich aber ganz ohne Strategie durch die Nacht treiben, wird’s auch planlos: Man trifft niemanden oder alle. Der eine will hier hin, der andere kommt da her, alle reden durcheinander, müssen auch schon wieder weiter und mittendrin eine zerrissene Barbara … die jetzt bitte von ihren Eltern aus dem Bällebad abgeholt werden möchte.

Barbara Lang

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