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Kolumne


Eine tierische Sache

Kaum zu glauben. Vor ein paar Tagen fand ich in der Zeitung folgende Meldung: „Mit einem kräftigen Biss endete ein Familienstreit in Neu-Ulm. Eine Frau war mit ihrem Sohn aneinander geraten und biss ihn in den Unterarm. Die Polizei konnte die zwei Streithähne trennen.“ Autsch! Hähne? Bei Bisswunden kommt mir sofort der amerikanische Schwergewichtsboxer Mike Tyson in den Sinn, der vor 20 Jahren in Las Vegas seinen Kontrahenten Evander Holyfield ein Stück des rechten Ohres abbiss. Erinnern Sie sich noch an diesen unschönen Vorfall?

Oder denken Sie bei Bisswunden doch eher an Flöhe, Schlangen, Tiger, Kriebelmücken – und ja natürlich auch an Hunde? Auch mein Vierbeiner Dobby hatte es vor kurzem mit einem richtigen Schwergewicht zu tun, denn er wurde von einem Artgenossen angefallen, der bestimmt fünf Mal so groß war. Und mein Hund ist beileibe nicht klein. Es war ein furchterregender und auch ungleicher Kampf, bei dem Dobby ganz klar den Kürzeren zog. Ergeben hat er sich jedoch nicht. Im Gegenteil, er fletschte beherzt die Zähne. Doch es half nichts, der andere Hund war einfach zu groß und stark. Zum Glück konnten diese beiden Streithähne auch ohne großes Tatütata voneinander getrennt werden. Das kann auch anders ausgehen. Solche Auseinandersetzungen sehen für die Hundehalter beängstigend aus, doch diese sogenannten Kommentkämpfe enden unblutig, sind ritualisierte Raufereien, bei denen überwiegend männliche Hunde ihre Rangordnung festlegen. Kippt der Kampf in einen Beschädigungskampf, dann kann es durchaus um Leben und Tod gehen und dem unterlegenen Rüden wird wohl mehr als nur das rechte Ohr abgeknabbert.

Obwohl mein Hund bereits kurz nach dem Fight schon wieder putzmunter die von mir angebotenen Leckerli knusperte, waren meine Knie noch minutenlang weich wie Wackelpudding. Mensch und Tier, wir sind eben doch sehr verschieden. Oder doch nicht? Auf jeden Fall gehe ich seitdem noch wachsamer mit meinem Hund spazieren, fixiere entgegenkommende Hunde sehr genau und weiche notfalls aus. Schließlich habe ich mir vorgenommen, meinen Vierbeiner in allen Lebenslagen zu schützen. Denn Dobby, der als junger Rüde aus Rumänien gerettet wurde, ist alles andere als ein Hütehund. Den Part übernehme ich. Dennoch ist natürlich auch bei uns beiden nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen. Denn oftmals ist Dobby von Gräsern oder Büschen so begeistert, dass er mich vor lauter Schnüffeln mitunter gar nicht mehr wahrnimmt. Das passiert immer wieder und bringt mich auf die Palme. Da hilft dann auch der Befehl „Bei mir“ nicht mehr. Und auch das darauf folgende „Beeeiiii miiiiir“ verhallt im Nichts. In diesen Situationen könnte ich mit ihm richtig streiten. Gebissen habe ich ihn allerdings noch nie.

Aber der in der Zeitung geschilderte Fall ist ja sicher auch eine Ausnahme. Dennoch bin ich überzeugt, dass wir Zweibeiner oftmals durchaus auch tierische Wesenszüge in uns tragen. Der Schweizer Tierpsychologe und Autor Stefan Wittlin sagte einmal: „Hunderüden beenden einen Kampf, wenn der eine Rüde anzeigt, dass er unterlegen ist. Bei Hündinnen und Frauen ist dem leider nicht so…“. Kaum zu glauben, aber wohl wahr.


Sind wir Menschen oftmals Wölfe in Schafspelzen? Unser Autor Stefan Loeffler stieß auf der Suche nach der Antwort auf einen Satz des Publizisten Josef Bordat: „Wenn der Mensch – wie Augustinus behauptet – zwischen Tier und Engel steht, dann gibt es für den Umgang mit ihm zwei Möglichkeiten: Entweder man zeigt ihm, wie nah er dem Tier ist oder wie nah er dem Engel sein könnte.“



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