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Kolumne


Oooooommmmm

Ich habe eine Frage an Sie: Vergessen Sie auch manchmal etwas? Was soll das heißen, das wissen Sie nicht mehr? Im Ernst. Ich habe das Gefühl, dass diese Gedankenlosigkeit bei mir immer schlimmer wird. Ein Beispiel. Vor einigen Tagen wollte ich zwei Bücher, deren Rückgabe längst überfällig war, in der Stadtteilbibliothek abgeben. Den kurzen Besuch im Weststadthaus hatte ich exakt in mein übervolles Tagesprogramm eingearbeitet, bei dem es zudem galt drei Texte zu schreiben und in der Redaktion abzugeben, ein Telefoninterview zu führen und, und, und. Ach ja, und der Hund musste natürlich auch noch zur Mittagsrunde raus. Das wollte ich verbinden, denn die Bibliothek öffnete an diesem Tag sowieso erst um 14.30 Uhr. Alles war exakt geplant und um 15 Uhr kam ich endlich los – nachdem ich noch kurz ein paar Mails verschickt und einen Fototermin für den nächsten Tag vereinbart hatte. Wenige Minuten später stand ich mit der Hundeleine in der Hand am Tresen der Bücherei, wo mich ein Mitarbeiter fragend anblickte. Ich lächelte ihn an, faselte etwas von „Oh mein Gott… vergessen… peinlich“ und spurtete zum leeren Auto zurück. Bücher und Hund hatte ich tatsächlich zu Hause zurückgelassen. Man kann auch sagen: vergessen! Das ist doch irre, oder? Zumindest ist es bedenklich.

Hatte ich an dem Tag einfach zu viele Dinge im Kopf? Haben wir nicht alle zu viele Dinge im Kopf? Jeden Tag? In jeder Stunde? Ein anderes Beispiel. Vergangene Woche wollte ich mit meinem Hund zur Morgenrunde an die Schönstattkapelle fahren. Vor der Abfahrt vergewisserte ich mich drei Mal, ob das Tier auch im Auto saß. Es saß. Alles gut. Am Roten Berg angekommen, musste ich jedoch feststellen, dass die Leine noch Zuhause am Treppengeländer hing. Es ist auch keine Seltenheit mehr, dass ich in die Küche oder in den Keller gehe, um mich dann dort zu fragen, was ich hier eigentlich wollte. Immer öfter trinke ich meinen Kaffee schwarz, weil ich schlicht und einfach vergessen habe, Milch aus dem Kühlschrank zu holen, beziehungsweise sie einzukaufen. Da müssen Sie jetzt gar nicht lachen. Passiert Ihnen das nicht? Und auch die Weisheit „Was man nicht im Kopf hat, muss man in den Beinen haben“ können Sie an dieser Stelle getrost vergessen. Blödes Zeug. Einen Spruch finde ich jedoch passend. Er stammt von Arthur Schopenhauer. Der deutsche Philosoph soll einmal gesagt haben: „Man lernt nur dann und wann etwas, aber man vergisst den ganzen Tag.“

Dennoch: Muss ich mir Sorgen machen? Ach was, die Welt dreht sich einfach immer schneller – und ich dreh mich eben mit. So einfach ist das. Oder doch nicht? Vielleicht sollte ich öfter am Tag zur Ruhe kommen, eine Insel finden, auf der ich ausruhen kann. Denn in der Ruhe liegt ja bekanntlich die Kraft. Schließlich haben ja die Menschen, die in sich ruhen, und sich nicht mehr von Termin zu Termin hetzen lassen, meist ein Lächeln im Gesicht. Ooooommm!

Doch bis dahin ist es – zumindest für mich – noch ein holpriger Weg. Die Seelenruhe muss erst einmal warten, die bekomme ich in dieser Arbeitswoche beim besten Willen nicht mehr hin. Denn auch diese Kolumne muss schließlich in die Redaktion. Und zwar hurtig. Aus diesem Grund halte ich es jetzt erst einmal mit dem Spruch des Satirikers Wolfgang Reus: „Vergessen Sie einfach, was Sie schon immer vergessen wollten, und dann vergessen Sie, dass Sie es vergessen wollten, und dann vergessen Sie, dass Sie das gelesen haben.“


Von wegen Hektik. Als unser Autor Stefan Loeffler die Kolumne an die Redaktion schickte, merkte er in seiner Mail an: „Es ist mir speziell bei diesem Thema sehr wichtig zu betonen, dass … das habe ich doch jetzt glatt vergessen.“





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