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[Wortwechsel] Kolumne


3 Korkadenähnliche bunte Blumen werden durch einen Bretterzaun gereicht

„Meine Freundin Tina ist abgehärtet! Ihr Immunsystem ist nach über 25 Jahren Freundschaft mit mir so gut trainiert – die bringt das misslungenste Geschenk nicht aus der Fassung.“

Liebevoll & voll daneben

Das große Weihnachtsgeschenkesuchen beginnt. Da ist Fingerspitzengefühl gefragt. Doch man muss beim Beschenktwerden schon auch mal die Zähne zusammenbeißen – zumindest, wenn man mit unserer Autorin befreundet ist.

Meine Freundin Tina ist abgehärtet! Ihr Immunsystem ist nach über 25 Jahren Freundschaft mit mir so gut trainiert – die bringt das misslungenste Geschenk nicht aus der Fassung. Allen Neidern sei an dieser Stelle versichert: Das war aber auch ein gehöriges Stück Arbeit! Denn meine beste Freundin bleibt eine hartnäckige Vertreterin der Kategorie „schwer zu beschenken“ – diesbezüglich können 25 Jahre Freundschaft zur echten Herausforderung werden.
Also hatte ich irgendwann beschlossen, ihr gemeinsame Premium-Zeit zu bescheren …

Die Wellness-Panne
Da war zunächt mein Versuch uns einen schönen Verwöhntag zu gönnen. Der „Wellness-Tempel“ erwies sich jedoch schnell als stümperhaft: Im Keller eines Wohnhauses gelegen, wartete er mit dunkelbraunen Fliesen aus den 80ern und eiskaltem Pool auf (Webseiten waren damals noch nicht so ausgefeilt, darf ich zu
meiner Entschuldigung anmerken). In diesem trostlosen Ambiente froren wir eine Stunde und wärmten uns immer wieder in der Sauna auf, weil wir auf die gebuchte Masseurin warteten – die dann überraschend erkrankt war. Event Nummer eins ging also schon mal gründlich in die Badehose!

Die Sternekoch-Abzocke
Um einer erneuten Panne dieser Art vorzubeugen, ging ich im Folgejahr auf Nummer sicher und buchte echte Profis: ein teures Sternekoch-Artisten-Dinner-Dings. Am kuscheligen Zweier-Tisch in der Seitenloge des Eventzelts konnten wir – so dachte ich – in Ruhe quatschen, uns nebenbei nett entertainen lassen und waren in sicherem Abstand zur Bühne. Allerdings kamen wir etwas zu spät und mussten dann feststellen, dass es eine Doppelbuchung gab. Unser Tisch war vergeben. Nur noch zwei Plätze waren frei: an einem großen Sechser-Tisch direkt in der Zeltmitte, wo sich die Bühne befand. „Manege frei“, hieß also plötzlich das Motto unseres Abends! Der Conférencier, der bereits mit seiner Show begonnen hatte, begrüßte uns via Mikrofon und geleitete uns persönlich im Spotlight an den Tisch. Unsere unfreiwilligen Tischnachbarn waren ein blässliches Pärchen mit wenig Hang zu Kommunikation und ein feister niederbayrischer Bauunternehmer mit bunter Brille und Bluthochdruck, der wiederum wenig Talent zum Schweigen hatte. Tinas Überraschungsmenü enthielt Selleriemus (sie hasst Sellerie), die Crème Brûlée kam wenig karamellisiert daher und etwa jeder zweite Artist involvierte mich irgendwie in seinen Auftritt – ich saß ja schließlich schon halb auf der Bühne.

Selbstmacher-Lacher
Event, Tina und ich – das passte nicht zusammen, so viel war klar! Also verdingte ich mich irgendwann an allerlei Basteleien, die meinerseits von Herzen kamen, Tina aber nicht in selbiges trafen. Ich erinnere mich an einen selbstgestrickten Juck-Schal Bild mit Foto und Text zu wohin. Redakteurin Barbara Lang von dem sie Ausschlag bekam und eine pinkfarbene Kiste, mit der ich sie an meinem damaligen Verliebtheitszustand teilhaben lassen wollte: rosa Haarspangen, rosa Stifte, rosa Süßigkeiten und ein Notizbuch mit rosa Filzeinband – selbstbestickt mit Glitzerperlen und Edelsteinen. Das Ding sah so dilettantisch aus, dass ich schon beim Umbinden der Schleife denselben Lachflash bekam, wie Tina beim Auspacken. Schließlich bastelte ich meiner treuen Gefährtin zu ihrem Vierzigsten voller Herzensfreude einen 40-seitigen Leporello mit der Aufschrift „40 gute Gründe, warum du keine 20 mehr sein willst“. Das Gründesammeln war anfangs gar nicht so leicht. Dann aber habe ich alle meine missglückten Geschenke aufgeführt und schon hatte ich fast die Hälfte beisammen. Und Tina? Die war zu Tränen gerührt – zu Lachtränen, wie immer!

Barbara Lang

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