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Kolumne


Halbvoll oder halbleer?

Jetzt ist Schluss. Ein für allemal. Ehrlich, ich kann es nicht mehr hören. Gestern Abend saß mal wieder so ein richtiger Nörgler an unserem Tisch im Lokal. Missmutig verbreitete er schlechte Stimmung, lobte die guten alten Zeiten und dass ja eh alles immer schlimmer werden wird. Und höher. Zum Beispiel die Mieten, die Grundstücks- und Spritpreise. Überhaupt die Autos. „Wenn das mit dem Verkehr so weiter geht, dann liegt der Feinstaub bald knöcheltief auf den Straßen“, so seine düstere Prognose.

Ich sehe das nicht so und blicke im Grunde sehr zuversichtlich in das nun bald beginnende neue Jahr. Schon bald können wir uns am Anblick einer modernen Straßenbahn erfreuen, die keinen qualmenden Auspuff hat. Wussten Sie übrigens, dass allein durch die Ulmer Straßenbahn Linie 1 eine Million Kilowattstunden Bremsenergie ins Netz zurückgespeist werden. Diese Energiemenge würde ausreichen, um 260 Haushalte mit Strom zu versorgen. Na bitte. Von wegen alles wird schlechter!

Nur noch wenige Tage und dann ist – am 21. Dezember – die Wintersonnenwende und tags darauf damit die längste Nacht des Jahres vorbei. Das sind doch alles andere als trübe Aussichten. Und wenn ich einfach mal so wohin denke, dann fällt mir ein, dass es noch viel mehr Dinge gibt, die besser werden, statt schlechter. Ein geradezu aufleuchtendes Beispiel finden Sie an jedem Sparkassen-Bankautomaten in dieser Stadt. Ist Ihnen schon aufgefallen, dass in den Displays seit einiger Zeit der aktuelle Kontostand nicht mehr angezeigt wird. Also ich finde, dass dies eine positive Entwicklung ist.

Da fällt mir ein: Zu welcher Sorte Mensch gehören Sie denn? Ist bei Ihnen das Glas eher halbvoll oder halbleer? Und was erwarten Sie sich von 2019?

Ich freue mich auf mild duftenden Kaffee. Denn – auch das ist eine gute Entwicklung – meine Kaffeemaschine funktioniert wieder. Vier Tage war sie in der Reparatur, jetzt thront sie wieder in der Küche und wartet darauf angeknipst zu werden.  Gebracht hat sie ein netter junger Mann eines vom Hersteller beauftragten Lieferdienstes. Der Mann stellte das gute Stück vorsichtig auf der Küchentheke ab und verabschiedete sich mit einem fröhlichen „Tschoss!“. Ich benötigte drei Tassen Cappuccino, bis ich herausgefunden hatte, dass er wohl eigentlich „Tschüss“ gemeint hat. Was soll´s? Wer ist schon perfekt? Ich nicht. Und wissen Sie was, das weiß ich noch gar nicht so lange. Denn auch das ist eine durchaus positive Entwicklung im Leben. Wir werden zwar älter, jedoch auch immer einsichtiger, milder, verständnisvoller und souveräner. Unser Dasein ist doch von Veränderungen geprägt, auch wenn wir dies nicht immer wahrnehmen oder wahrhaben wollen. „Wer ständig glücklich sein will, muss sich oft verändern“, sagte schon Konfuzius. Und Johann Wolfgang von Goethe behauptete einst: „Das Leben gehört dem Lebenden an, und wer lebt, muss auf Wechsel gefasst sein.“ So sehe ich das auch und deshalb sollten wir nicht mit angstvollem Blick in die nahe und ferne Zukunft blicken, sondern uns frohgemut immer wieder klar machen, wie schön es ist zu leben.

In diesem Sinne wünsche ich uns allen schon jetzt frohe Festtage und ein gutes neues Jahr!

 

Für unseren Autor Stefan Loeffler ist die Marschrichtung im Leben klar. Er hält sich an einen Spruch von Albert Einstein, dem berühmtesten Sohn der Stadt, der sagte: „Das Leben ist wie Fahrrad fahren, um die Balance zu halten, musst Du Dich vorwärts bewegen.“

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