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Stadtgeschehen


Spender des süßen Glücks – Vom Aussterben bedroht

Am Eselsberg gibt es sechs Stück, am Safranberg nur zwei, in der Neu-Ulmer Innenstadt hängen 17 Exemplare an den Häuserwänden und am Hochsträß fristet ein einzelner Kasten sein einsames Dasein. Die Rede ist, ja genau, von Kaugummi-Automaten. Jeder kennt sie, doch die wenigsten nehmen sie bei ihrem Gang durch die Straßen bewusst wahr.

Auch mir ging es bis vor kurzem so. Nun, nach einem Gespräch mit Matthias Schneider, ist alles anders. Jetzt entdecke ich quasi an jeder Ecke einen dieser „Spender des süßen Glücks“, wie sie der „Vater“ der Internetseite www.kaugummiautom.at bezeichnet. Gemeinsam mit seinem ehemaligen Studienkollegen Jonas Beinder hat der Ulmer eine digitale Plattform geschaffen, auf der man eine Übersicht über alle in Deutschland aufgestellten oder aufgehängten Automaten erhält. Zumindest über alle Exemplare, die bislang fotografiert und kartografiert wurden. Jedes Objekt der Begierde ist mit einem blauen Symbol gekennzeichnet und deshalb auf der Website kinderleicht auffindbar. Und das sind ganz schön viele. Doch nicht nur die beiden Medieninformatiker zücken ihre Smartphones oder gar die Fotoapparate, wenn sie auf einen bislang noch unentdeckten Automaten treffen, mitmachen kann und soll jeder. „Im Schnitt bekommen wir pro Monat zehn bis 30 neue Aufnahmen über die bereitgestellte Android-App oder das Webformular zugeschickt. Jeder Automat freut sich über die Aufmerksamkeit“, so der 35-jährige Matthias Schneider, der zurzeit an einer neuen Version der App tüftelt. Für ihn sind die überwiegend roten Kästen in aller erster Linie vom Aussterben bedrohte Relikte des urbanen Raumes: „Beim Anblick von Kaugummi-Automaten werden bei vielen doch Kindheitserinnerungen wach. Und das hat für mich einen großen Reiz.“ Aus diesem Grund soll die Plattform das umfangreichste Verzeichnis von Kaugummi-Automaten werden – weltweit. Matthias Schneider: „Wir haben auch schon Fotos aus Chicago bekommen.“

Zurück nach Ulm, wo die Gründer der Website bis zu 100 Automaten vermuten: „Etwa 80 Prozent haben wir bereits abgebildet.“ Also liebe Ulmer, Augen auf und Kameras gezückt. Findet sie. Denn es wäre doch schön, wenn der einsame Kaugummi-Automat am Hochsträß ein bisher nicht gekanntes Brüderchen bekommen würde, oder?


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