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[Stadtgeschehen]


Solide Basis mit Luft nach oben

Start-Ups in Ulm

Ob Albert Einstein, Hermann Köhl oder Robert Bosch – schon in der Vergangen-heit brachte die Innovationsregion Ulm eine Vielzahl von Vordenkern, Konstruk-teuren und Tüftlern hervor. Mit der Auszeichnung als gründerfreundliche Kommune beim Landeswettbewerb „Start-up BW Local“ unterstreicht Ulm, dass diese Tradition fortgesetzt werden soll. Bei diesem hatte sich Ulm mit den beiden Landkreisen Alb-Donau und Neu-Ulm als einziges länderübergreifendes, interkommunales Projekt beworben. 

 

Vielfältige Angebote für Gründer 

Eine erste Anlaufstelle für Gründungsinteressierte, die noch studieren, ist der Gründer-verbund Ulm. Dieser wird von der Universität Ulm, der Hochschule Ulm und der IHK Ulm getragen. Ziel des Verbunds ist es, die Gründerkultur an den Ulmer Hochschulen zu fördern und das regionale Gründerpotenzial zu stärken. Dazu gehört zum Beispiel das Beratungsangebot des StarterCenters der IHK Ulm. „Jedes Jahr wird es von Gründern mit circa 3.200 Erstauskünften und 800 vertiefenden Beratungen genutzt“, erklärt Michael Reichert, Leiter des StarterCenters bei der IHK Ulm.

Daneben gibt es unter anderem Infonachmittage für Gründer, Unterstützung bei der Beantragung von Fördermitteln oder jedes Jahr zum Wintersemester die Veranstaltungs-reihe Hochschule trifft Wirtschaft. „Das Besondere daran ist der duale Aufbau. Zunächst wird das jeweilige Thema aus wissenschaftlicher Sicht behandelt und anschließend die Relevanz und Umsetzung in der unternehmerischen Praxis aufgezeigt“, präzisiert Reichert.

Viele der Start-ups aus den Hochschulen sind außerdem in der von der IHK initiierten Community „Startup- Region Ulm“ mit dabei. Dort trifft man sich monatlich, holt sich Feedback der anderen Start-ups und hat durch Veranstaltungen wie „Startup meets Mittelstand“ die Möglichkeit, Kontakte zu etablierten Unternehmen in der Region zu knüpfen.

Auch die TFU bietet Gründungswilligen Unterstützung – besonders in der Phase vor der eigentlichen Gründung. Das Start-up- und Innovationszentrum der Region Ulm und Neu-Ulm stellt dafür zum Beispiel günstige Büros zur Verfügung, liefert Infomaterial zu Gründungskonzepten oder berät bei der Erstellung von Geschäftsplänen. „Neben Räumen und Laboren, in denen man gleich loslegen kann, bieten wir auch eine hervorragende technische Infrastruktur. Es ist alles da, was man für ein erfolgreiches Business braucht“, meint TFU-Geschäftsführerin Ulrike Hudelmaier. „Noch wichtiger ist aber die Betreuung und der unkomplizierte Zugang zu unseren Netzwerken in der Region. Auch das Netzwerk innerhalb der TFU hat es in sich. Wer hier startet, ist nicht alleine, wenn es darauf ankommt.“

 

Anna Literova und Reiner Taglang

Anna Literova und Reiner Taglang sind die Gründer von Day4Solutions. Sie nutzen die Angebote für Startups in Ulm bereits.

Innovative Start-ups in der Region

Und auch die Start-ups in der Region können sich sehen lassen. Zwei Beispiele für den Ulmer Innovationsgeist sind Day4Solutions und EQUIL. Mit Day4Solutions haben die beiden Gründer Reiner Taglang und Anna Literova eine Plattform entwickelt, mit der sich individuelle Geschäftsprozesse digitalisieren lassen.

„Wir finden, dass Ulm beim Thema Start-ups schon relativ gut aufgestellt ist und nutzen verschiedene Angebote für Gründer wie die IHK-Initiative Startup-Region Ulm, Seminare oder die TFU bereits. Wir können so unser Netzwerk erweitern und bekommen wichtige Informationen zu verschiedenen Themen“, erklärt Anna Literova. „Dennoch wäre ein öffentlicher Informationspunkt hilfreich, da beispielsweise  Kooperationsprogramme von Firmen nur schwer zu finden sind. Auch die Ansiedlung weiterer Einrichtungen, die bei der Existenzgründung unterstützen, könnte helfen, Ulm als Start-up-Standort auf ein ähnliches Level wie Stuttgart, Berlin oder München zu heben, um damit Investoren anzulocken.“

 

Constantin Diesch

EQUIL-Gründer Constantin Diesch zeigt den im TensionShirt integrierten Sensor. Dieser hilft, Nackenverspannungen frühzeitig zu erkennen und zu lösen.

Für Aufsehen in der Start-up-Szene sorgt auch das Unternehmen EQUIL, das intelligente Textilien entwickelt, um den Büroalltag gesünder zu gestalten. Als gelernter Physio-therapeut und mit einem Abschluss im Bereich Medizintechnik weiß Gründer Constantin Diesch, wie oft uns Nackenschmerzen plagen. „Während ich Patienten mit Nackenschmerzen behandelte, fragte ich mich, ob man diese Beschwerden nicht verhindern könnte. So entstand die Idee zum TensionShirt“, erklärt er. Die integrierten Sensoren im Shirt sollen helfen, Verspannungen im Nackenbereich frühzeitig zu erkennen und anschließend zu lösen.

 

Auch bei EQUIL werden die vorhandenen Angebote genutzt, um das eigene Netzwerk zu erweitern und Anschluss an lokale Firmen zu erhalten. Constantin Diesch sieht aber noch deutlichen Nachholbedarf: „Hier in Ulm gibt es zwar einige gute Angebote für Start-ups, aber fast keine Gründerszene und interessante Investoren. Die Betreuung an der Hochschule ist allerdings super. Auch wenn es als nicht wissenschaftliches Start-up schwierig ist, hier Fuß zu fassen.“

Man sieht: Die Basis stimmt, um Gründer in Ulm und Umgebung zu fördern und zu halten. Auch die Region ist ein guter Standort für Gründer, da die relevanten Akteure wie etwa Banken, Uni oder IHK gut vernetzt sind und informell im Sinne der Gründer kooperieren. Dennoch gibt es noch immer viel zu tun, um Gründern noch mehr Unterstützung anbieten zu können. Hier haben Standorte wie Karlsruhe, Stuttgart oder München noch die Nase vorn. Es geht aber immerhin schon mal in die richtige Richtung.

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