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Stadtgeschehen


Die Putte macht neugierig – Zwei Räume für zeitgenössische Kunst

Manchmal lohnt es sich, beim Gang durch die Stadt die Blicke nach rechts und links schweifen zu lassen. Oder nach oben. Zum Beispiel in der Neu-Ulmer Brückenstraße, wo über dem Hauseingang Nr. 2 eine kleine Putte auf die Passanten herabblickt. Die putzige Kindergestalt hat eine Brille auf und hält zwei Bücher in den Händen. Weshalb das so ist, weiß Janina Schmid auch nicht so genau: „Vermutlich waren damals in den Geschäften rechts und links der Haustüre ein Optiker und ein Schreibwarengeschäft untergebracht.“ Egal. Denn die 35-jährige Kunstpädagogin weiß, dass dieses Steinfigürchen heute der optimale Namensgeber für den darunterliegenden Kunstraum ist, in dem seit August des vergangenen Jahres Ausstellungen stattfinden.

„Wir wollen mit der Putte Neugierde wecken und Menschen auf die Arbeiten von zum Teil noch unbekannten, zeitgenössischen Künstlern aufmerksam machen“, so die Leiterin der Räume, die vom Verein „Projektraum für aktuelle Kunst e.V.“ getragen werden. Neue Mitglieder sind jederzeit herzlich will-kommen. „Bei uns kann jeder mitmachen, der Lust hat, unser Projekt mit voran-zubringen und damit Künstlern ein Forum zu bieten, sich zu präsentieren“, so die Ulmerin, die in Braun-schweig und Halle Kunst studiert hat: „Neben der bildenden Kunst sind wir offen für alle Formate, wenn sie denn in unser Konzept passen.“ Gefördert wird der Non-Profit-Kunstraum, in dem der Schwer-punkt auf Skulpturen, Installationen, Perfor-mances und Video-Präsentationen liegt, von der Stadt Neu-Ulm. Der Eintritt zu den jeweiligen Ausstellungen ist frei. Janina Schmid ist es wichtig, dass man den Menschen mit der Putte die Scheu vor zeitgenössischer Kunst nimmt: „Unsere beiden großen Schaufenster, die den Blick nach innen öffnen, tragen dazu bei, dass die Hemmschwelle in einen neuen Raum zu gehen, kleiner wird.“ Manchmal lohnt es sich eben wirklich, den Blick nach rechts und links schweifen zu lassen. Oder nach oben.


„nie Nichts“

Vom 10. Februar bis 4. März ist die Ausstellung „nie Nichts“ von Anja Köhne in der Putte zu sehen. Die Fotografin untersucht das fotografische Abbild der Wirklichkeit auf seinen Realitätsgehalt hin. Dabei hinterfragt sie auch die Fotografie selbst. Oberflächen und Formen, die uns im Alltag begegnen und keinerlei Fragen aufwerfen, werden in ihren Fotografien ihrer Eindeutigkeit beraubt. Für die Putte hat Anja Köhne in den dunkelsten Gegenden Deutschlands den Himmel beobachtet. Die Ergebnisse der gänzlich unobjektiven Erforschung des Himmels, sowie ihrer eigenen Wahrnehmung, wird sie sowohl in den Kunsträumen als auch außerhalb vorstellen. Zur offiziellen Eröffnung am Freitag, den 9. Februar, um 19 Uhr und am ersten Ausstellungswochenende ist Anja Köhne anwesend.


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