EBNER MEDIA GROUP – Lokale Medien

[Stadtgeschehen]


Ein Trend, der nicht verwelken will

Blumenkasten in einem Garten

Urban Gardening und Urban Farming boomen seit vielen Jahren und haben sich längst über die großen Metropolen hinaus fortgepflanzt. Auch in Ulm und Neu-Ulm sprießen solche Initiativen – die herzlich zum Mitmachen einladen … 

Seine Wurzeln hat Urban Gardening im New York der 1970er-Jahre. Selbst ernannte Guerilla-Gärtner führten damals mit Seedbombs einen grünen Kampf gegen das Grau der Stadt. Aus dem kreativen Protest entwickelte sich das konstruktive Urban Gardening: Leere Brachen, ehemalige Fabrikgelände, Dächer von Hochhäusern oder langweilige Grünstreifen vor Wohnblöcken werden dabei zu Nutzgärten und kleinen, idyllischen Biotopen verwandelt. Meist biologisch bewirtschaftet und gepflegt von einer bunt gemischten Gemeinschaft, die ihr selbst gezogenes Obst und Gemüse zur eigenen Versorgung oder für die Allgemeinheit anbaut. Socializing inklusive!

 

Laubenpieper 2.0

Mitmachen kann jeder, der Lust auf „Erdung“ hat – unter den Fingernägeln sowie in der Seele. Denn Gartenarbeit ist ja bekanntlich ein Glücklichmacher. Das einst so spießig wirkende Kleingärtner-Idyll hat durch den Urban Gardening-Trend ein Update erfahren. Avantgardistisch-alternativ, nachhaltig und zukunftsfähig sprießen Salat, Spinat & Co. direkt dort, wo sie gegessen werden: lokal, saisonal und biologisch, ohne lange Transporte – so wie es sein soll! Insekten und Kleintiere finden in den Naturgärten artgerechten Unterschlupf und ungespritztes „Futter“: Biodiversität im Kleinformat. Die Städte und Kommunen begrüßen und unterstützen diese Projekte, initiieren sie mittlerweile sogar selbst – so wie in Neu-Ulm und im Ulmer Dichterviertel.

Graffiti Quartiersgarten

Gärtner im zweiten Frühling

Im Sommer 2017 suchte Neu-Ulm urbane Gärtner, um das ehemalige Gelände der Stadtgärtnerei im Efeuweg zu beackern. Die Neu-Ulmer ließen sich nicht lange bitten: Seit Mai 2018 buddeln, säen, gießen und ernten sie in dem frei zugänglichen Gemeinschaftsgarten Neu-Ulm, der bewusst nicht eingezäunt ist, obwohl die Früchte der Arbeit den Gärtnern vorbehalten sind. Etwa zwölf Menschen zwischen drei und 70 Jahren waren es im letzten Jahr, sie legten die Beete an, bauten eine Sitzecke aus Paletten, installierten einen Wohnwagen, vertrieben Kohlmotten und sahen mit Freude den vielen verschiedenen Früchten beim Wachsen zu. Die Stadt hat zu Beginn einen Brunnen bohren lassen und Hackschnitzel für die Wege gespendet – und wenn alles gut läuft, will man weitere Flächen fürs Stadtgärtnern zur Verfügung stellen. Ab März geht es wieder los. Wer Interesse hat, mitzumachen, kommt einfach vorbei oder findet mehr Informationen und Impressionen unter www.instagram.com/urbangardening_neuulm

 

Rotes Schild am Zaun

Schmuddelecke ade

Auch der Quartiersgarten im Ulmer Dichterviertel erlebt gerade seinen zweiten Frühling. Initiiert wurde das Projekt 2017 von Mitarbeiterinnen der AG West. Wo im vergangenen Sommer erste Tomaten, Zucchini, Salate, Mangold, Erdbeeren, Kräuter und ein Riesenkürbis in über 20 Hochbeeten heranwuchsen, sah es früher wenig einladend aus: Ein schmuddeliger Parkplatz und ein zur Müllhalde verkommenes Wäldchen verschandelten das 1300 qm große Areal am westlichen Rand des Sanierungsgebietes. Doch ein bunt gemischtes Grüppchen aus Jung und Alt nahm das Urban Gardening-Projekt sofort an, befreite das Wäldchen vom Müll, hing Nisthilfen für Vögel und Insekten auf, baute und bepflanzte seine persönlichen Hochbeete, legte einen Kompost an und schmückte das Areal mit Girlanden und mehr. Die Resonanz war durchwegs positiv – die Ernte ebenso. Und wenn am 30. März die zweite Saison im Quartiersgarten zwischen Hindenburgring und Böblinger Turm eingeläutet wird, sind auch neue Gärtnerinnen und Gärtner herzlich willkommen, um mitzumachen. Gerne auch mit neuen Ideen und Inspirationen, z.B. für Kinderaktionen. Infos und Kontakt unter www.quartiersgarten-dichterviertel-ulm.de

Schwarze Infotafel zum Neunkirchengärtchen-Gemeinschaftsgarten

Der Vorreiter

Die Macher des Quartiersgarten hatten sich einst vom Neunkirchengärtchen in der Ulmer Weststadt inspirieren lassen. Hier sprießen bereits seit 2014 Erbsen, Karotten, Kohlrabi, Feuerbohnen, Kräuter und allerlei Bienenfutter direkt neben dem Gehweg – allerdings auf deutlich kleinerer Fläche. Die damals 17-jährige Schülerin Lea Graf hatte den 100 qm großen Grünstreifen damals von der Stadt für ihre Schul-Projektarbeit zum Thema Urban Gardening zur Verfügung gestellt bekommen. Als Waldorfschülerin hatte sie im Gartenbau-Unterricht gelernt, wie man einen Nutzgarten anlegt und mit der Unterstützung von Freunden, Familie, der Stadt und Pflanzenspenden einer Baumschule entstand alsbald ein ökologisch-biologischer kleiner Gartentraum zwischen Parkplatz und Straße. Mittlerweile studiert Lea in Berlin Gartenbau – aber ihr Gärtchen wird von ihrer Mutter, Anwohnern und anderen Interessierten weiter gepflegt. Auf einem Schild inmitten des üppigen Grüns steht: „Naschgarten – Freier Zugang für jeden! Mitmachen erwünscht!“ Ab April geht es wieder los: jeden Mittwoch ab 16 Uhr – wer Interesse hat, kommt einfach vorbei. Und wer Lust und Kenntnisse hat, eine Website für das Projekt zu gestalten, ist auch herzlich willkommen. Infos auf Facebook unter „Neunkirchengärtchen-Gemeinschaftsgarten“, Kontakt per Mail an gemeinsam-gaertnernulm@posteo.de.

 

Bio-Obst zum Schnäppchenpreis

Obstbaumwiese
Nicht wirklich Urban Gardening, aber dennoch Gärtnern und Ernten für alle: Dazu lädt auch der Herrmannsgarten in Söflingen ein. Eine idyllische, 1,3 Hektar große Wiese mit etwa 200 Obstbäumen stellt der BUND an der Söflinger Hasensteige der Öffentlichkeit zur Verfügung. Ob zur Baumpflege, zur privaten Ernte von Äpfeln, Birnen, Zwetschgen oder Nüssen, für Workshops in Baumschnitt oder Kräuterspiralenbau (z.B. am 23.03.) oder für ein Picknick beim Sommerfest mit Schafen – der Zutritt ist für jeden frei. Wer erntet, wird um eine Spende auf das Konto (Infos vor Ort und auf der Website) gebeten: Etwa 50 Cent pro Kilogramm sind ein unschlagbarer Preis für Bioobst aus der Heimat. Interessierte Gärtner sind jederzeit herzlich willkommen und erfahren mehr unter www.hermannsgarten.jimdo.com.

Auflistung der Urban Gardening Projekte in Ulm

zurück