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Stadtgeschehen


„Die sind wahnsinnig!“

Die Martin-Luther-Kirche erinnert an fünf mutige Freunde

Sie sind da. Wir begegnen ihnen im Stadthaus, wo sie als Bronzeskulptur stehen. Wir treffen sie an ihrem früheren Wohnort in der Frauenstraße, in der Neuen Mitte, deren Platz nach ihnen benannt ist, und wir begegnen Hans und Sophie Scholl auch im Treppenhaus der Martin-Luther-Kirche in der Weststadt. Hier greift eine Erinnerungsstätte das Wirken der beiden Mitglieder der Schüler-Widerstandsgruppe „Die Weiße Rose“ mit mehreren Schautafeln auf. Wer die Treppen nach oben läuft, steht dann auch vor der Türe, die zur Orgelstube führt. Hier machten die Freunde der Geschwister im Jahr 1943 das fünfte Flugblatt der Bewegung versandfertig (siehe auch unser Gespräch mit Pfarrer Volker Bleil auf Seite 8). Und diesen Freunden ist der Großteil der Ausstellung gewidmet. Hier kann man über Hans Hirzel nachlesen. Der Pfarrerssohn war die treibende Kraft der Schülergruppe. Mit seinen Freunden diskutierte er oft und lange darüber, was man als Christ gegen Hitler tun kann und darf. Er machte das Versteck hinter der Empore ausfindig, da er als Aushilfe immer wieder auf der Orgel spielte und so einen Schlüssel zur Kirche hatte. Hier findet man auch eine Infotafel über Susanne „Suse“ Hirzel, die älteste Schwester von Hans. Die Jugendfreundin von Sophie Scholl war bei der Verteilung der Flugblätter 21 Jahre alt. Als sie das Dokument zum ersten Mal sah, sagte sie spontan: „Die sind wahnsinnig. Alle werden geschnappt werden, wir sind tot, tot. Aber das Flugblatt ist großartig.“ Trotz ihrer Bedenken machte die mutige Studentin mit – und wurde nicht geschnappt. Nach dem Krieg lebte sie 13 Jahre lang in der Schweiz. Weitere Tafeln informieren über die drei anderen Mitglieder, die damals ihr Leben aufs Spiel setzten, um die deutsche Bevölkerung wachzurütteln. Dies waren Franz Josef Miller, der vom Volksgerichtshof zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt wurde, Heinz Brenner, der von Freunden bis zum Kriegsende versteckt wurde sowie Heiner Guter, der ins Gefängnis kam, nur weil er von den Flugblättern wusste und seine Freunde nicht anzeigte. Heute sind alle fünf tot, im Westflügel der Martin-Luther-Kirche sind sie für die Betrachter wenigstens für eine kurze Zeit wieder da.


Eine Schreibmaschine in der Orgel 

Die Erinnerungsstätte in der Martin-Luther-Kirche ist in der Regel an Wochentagen (außer in den Ferienzeiten) bis 18 Uhr sowie bei Gottesdiensten und Gemeindeveranstaltungen geöffnet.
Der Zugang befindet sich am hinteren Eingang der Kirche. Der Eintritt ist frei.










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