EBNER MEDIA GROUP – Lokale Medien

[Stadtgeschehen]


Festungsanlage Wilhelmsburg

Die Wilhelmsburg –
Ulms unbekannte Attraktion

Fast jeder Ulmer kennt die Wilhelmsburg auf dem Michelsberg. Aber nur die wenigsten kennen ihre Geschichte. Wir haben daher einmal einen Blick in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft geworfen.

Sie ist nicht zu übersehen, aber dennoch irgendwie unscheinbar: die Wilhelmsburg in Ulm. Die ehemalige Festungsanlage erzählt eine spannende Geschichte und ist fest mit dem Ulmer Stadtbild verbunden. Doch nur wenige wissen, was dort auf dem Michelsberg eigentlich los ist.

Schriftzug Vergangenheit

Größte Festungsanlage Europas

Vor knapp 180 Jahren, genauer gesagt am 18. Oktober 1842, erfolgte der Spatenstich für den Bau der Bundesfestung auf dem Michelsberg. Zwei Jahre später wurde dann der Grundstein für die Wilhelmsburg gelegt, bis 1848 die Fertigstellung erfolgte. Als eine von fünf Bundesfestungen war sie neben Landau, Luxemburg, Mainz und Rastatt Teil eines ausgeklügelten Verteidigungssystems, das der Deutsche Bund im 19. Jahrhundert aufbaute, und größte Festungsanlage Europas.
Portal und Tor der Festungsanlage Wilhelmsburg
Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Wilhelmsburg dann als Kaserne genutzt, ehe sie von 1945 bis 1956 als Notunterkunft für Ulmer und Kriegsflüchtlinge diente. Tapetenbemalungen in einigen der ehemaligen Wohnräume erinnern noch immer an diese Zeit. Ab 1956 nutzte die Bundeswehr die Wilhelmsburg erneut als Kaserne, seit den 1970er Jahren aber nur noch die nördlich vorgelagerte Wilhelmsfeste. 1986 übergab der Bund die Wilhelmsburg als Schenkung an die Stadt Ulm, die in der Folge mit Bundes- und Landesmitteln teilsaniert wurde.

Schriftzug Gegenwart

Die Burg erwacht

Die Wilhelmsburg prägt die Ulmer und Neu-Ulmer Stadtstruktur bis heute deutlich sichtbar. Da ihre militärische Bedeutung über die letzten Jahrzehnte schwand, ist inzwischen eine anderweitige Nutzung geplant, nachdem der Großteil der zur Verfügung stehenden Fläche jahrelang leer stand. Seit 2015 erwacht die Burg daher allmählich aus ihrem Dornröschenschlaf.

So ist die Wilhelmsburg beispielsweise alle zwei Jahre Schauplatz des Ulmer Theatersommers. Mit dem Erfolgsmusical Evita, das am 7. Juni Premiere feiert, bringt das Theater Ulm in diesem Jahr einen Hauch argentinischer Leidenschaft über die Wilhelmsburg. Daneben hat sich ein Pop up Space unter dem Titel „Stürmt die Burg“ etabliert, der 2019 bereits zum zweiten Mal stattfindet und dem alten Gemäuer wenigstens für kurze Zeit etwas mehr Leben einhaucht. Das Projekt findet von Anfang August bis Ende September statt und erklärt die Wilhelmsburg in dieser Zeit zum Kreativlabor, in dem jeder willkommen ist.

Aber auch um die Festung herum gibt es einige spannende Dinge zu entdecken. Kennen Sie beispielsweise den Schmetterlingsweg und das Schmetterlingsquiz an der Wilhelmsburg? Beide Wege vermitteln Spannendes rund um die heimischen Schmetterlingsarten und sind über die gesamte Strecke gut ausgeschildert.

Geocaching an der Wilhelmsburg

Erlebenswert ist auch das Geocaching rund um die Wilhelmsburg. Seit Jahren wird die digitale Schatzsuche immer beliebter und auch im Raum Ulm/Neu-Ulm gibt es mittlerweile ca. 200 versteckte Caches – auch um und in der Wilhelmsburg. Möchten Sie zum Beispiel Ulms dunkles Geheimnis kennenlernen, begeben Sie sich in die Ulmer Wälder und Teile der Bundesfestung. Auf der Tour „150 Jahre Bundesfestung“ erfahren Sie hingegen allerhand Wissenswertes über die Wilhelmsburg. Machen Sie sich beim nächsten Spaziergang doch einfach mal auf eine Reise durch die Zeit rund um die Ulmer Festungsanlage.

Gewölbe im Inneren der Festungsanlage Wilhelmsburg

Ulmer Festungshonig

Kennen Sie außerdem den Ulmer Festungshonig? Seit 2012 betreuen Hobby-Imker in und um die Ulmer Festungsanlage die dortigen Bienenvölker. Produziert werden Honig, Met, Blütenpollen, Honigseifen und weitere Bienenprodukte. Für besonders Interessierte werden außerdem mitunter Führungen und Bienenpatenschaften angeboten.

Schriftzug Zukunft

Eine Seilbahn zur Wilhelmsburg?

Sie sehen: Es wurde bereits einiges getan, um die Ulmer Wilhelmsburg wieder zum Leben zu erwecken. Und auch für die Zukunft sind bereits Projekte im Gespräch,um das volle Potenzial der Burg endlich auszuschöpfen. Besonders spannend ist dabei sicherlich die Frage, ob die Wilhelmsburg eine Seilbahn bekommt. Wenn die Landesgartenschau im Jahr 2030 in Ulm stattfindet, bedeutet das für die Stadt viele Besucher und einige große Projekte, die in Angriff genommen werden müssen. Krönung des Ganzen soll am Ende dann eine Seilbahn sein, die die Wilhelmsburg mit der Stadt verbindet. Denn Ulm hat bisher Probleme, die Wilhelmsburg zu erschließen und Ortsunkundige wissen meist gar nicht, wo sie überhaupt hinmüssen, wenn es Richtung Michelsberg geht. Eine Seilbahn ist hier also durchaus eine Alternative, die im Stadtrat aber noch diskutiert wird. Schließlich ist das Projekt auch teuer und langwierig.

Stahltreppenaufgang mit Beschilderung Festungsweg
Großen Einfluss auf diese Entscheidung hat in jedem Fall die zukünftige Nutzung der Wilhelmsburg. Neben dem Ulmer Theater, das bereits jeden zweiten Sommer für sein Open-Air-Theater auf die Wilhelmsburg zurückgreift, waren auch ein Technik- oder ein Albert-Einstein-Museum bereits im Gespräch. Nach einer spannenden Vergangenheit ist für die Wilhelmsburg also eine genauso aufregende Zukunft geplant. Damit Ulms unbekannte Attraktion am Ende hoffentlich doch nicht mehr so unbekannt ist.


Text: Sarah Blakowski, Fotos: efraimstochter,
pixabay.com; U. Hoche

zurück

Tag der Festung Ulm

Am Sonntag 02. Juni findet in Ulm
und Neu-Ulm zum 10. Mal der
„Tag der Festung“ statt.
Im gesamten Stadtgebiet sind die
sonst verschlossenen Anlagen des
„größten erhaltenen Festungsensembles“
geöffnet.
Alle Infos dazu unter:
www.festung-ulm.de