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Stadtgeschehen


Der Stadtphysikus und die Reformation

Reformation. Dieses Wort ist ganz eng mit dem Jahr 2017 verbunden. Denn heuer jährt es sich zum 500sten Mal, dass der Theologe Martin Luther seine 95 Thesen gegen den Erlass von Sündenstrafen der römisch-katholischen Kirche an die Schlosskirche in Wittenberg anbrachte. Das Resultat war die Aufspaltung der Kirchen.

Dieses Jubiläum wird international gefeiert, auch in Ulm. Wir tragen sogar den Titel „Reformationsstadt Europas“. Denn die Reichstadt Ulm war – neben Straßburg und Basel – eines der Zentren der frühen evangelischen Bewegung. Bereits 1530 bekannte sich die Bevölkerung mit großer Mehrheit zum evangelischen Glauben. Die Stadt wurde Vorbild für viele andere schwäbische Städte und Territorien. Gefeiert wird das Jubiläumsjahr mit zahlreichen Veranstaltungen, die allesamt unter dem Motto „Vielstimmigkeit“ stehen.

Für Dr. Susanne Schenk liegen die Anfänge der reformatorischen Bewegung in Ulm jedoch weitestgehend im Dunkeln. „Doch am Beginn der 1520er Jahre werden zwei Orte sichtbar, an denen die reformatorische Botschaft aufgenommen und kommuniziert wurde: das Franziskanerkloster im Herzen der Stadt sowie das Haus des Stadtarztes Dr. Wolfgang Rychard. Um den Stadtphysikus hatte sich ein Kreis humanistisch interessierter Männer gesammelt, die neben Schriften antiker Autoren auch frühe Werke Martin Luthers lasen und diskutierten“, beginnt die Pfarrerin und Kirchenhistorikerin ihren Aufsatz „Die Einführung der Reformation in Ulm“. Die Autorin berichtet darin auch über die Franziskaner Johann Eberlin von Günzburg und dessen Nachfolger Heinrich von Kettenbach, die von der reformatorischen Überzeugung ausgehend, predigten, dass das Heil von Gott gratis gegeben und von Menschen allein durch ihren Glauben zu empfangen ist. Gefunden haben wir den Beitrag in dem attraktiven über 80-seitigen Journal „Ulm – Orte der Reformation“. Neben verschiedenen Berichten über die reformatorische Zeit, die evangelischen Gotteshäuser sowie das heutige religiöse Leben in Ulm findet man in dem Magazin unter anderem auch einen journalistischen Spaziergang durch die Ulmer Altstadt sowie einen Ausblick von Oberbürgermeister Gunter Czisch zum Thema „Ulm – Zukunftsstadt in Europa.“ Wir haben es ja immer gewusst: Die Geschichte unserer Heimatstadt war stets aufregend und sie wird spannend bleiben.


Orte der Reformation – Ulm

Ernst-Wilhelm Gohl, Gudrun Litz, Frank Torsten Zeeb (Hrsg.)
Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig
Journal, 84 Seiten mit zahlreichen Abbildungen
9,90 Euro
ISBN 978-3-374-05009-3






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