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[Stadtgeschehen]


Zwei Frauen und ein Mann

Theater wirkt –
auch über Ulm hinaus

Seit über 20 Jahren gibt es die Schauspielschule Akademie für darstellende Kunst (adk-ulm) und sie hat seitdem über 250 AbsolventenInnen ausgebildet, die zu 90 Prozent noch heute in ihrem erlernten Beruf arbeiten. Jährlich werden bis zu 35 meist junge Menschen in den Bereichen Schauspiel, Regie, Theaterpädagogik, Dramaturgie und Drehbuchschreiben in einer vierjährigen schulischen und praktischen Ausbildung für den Beruf vorbereitet.

So hatte es sich Ralf Rainer Reimann nicht gedacht, als er 1996 in die Bresche sprang, Spielstatt-Studenten den Abschluss des Studiums nach einer Insolvenz ermöglichte und kurzerhand die Schauspielschule adk-ulm gründete. Und wer weiß, ob er aus heutiger Sicht noch so gehandelt hätte. Denn die Akademie und das akademietheater haben so einige Veränderungen in mehr als zwei Jahrzehnten durchgemacht – nicht immer freiwillig.

Am Anfang war das Theater
Gegründet wurde das akademietheater als professionelles experimentelles Theater sowie Kinder- und Jugendtheater. Damals noch ohne feste Spielstätte war es häufig im Roxy zu Gast. Im Laufe der Jahre fokussierte sich das Theater auf Kinder- und Jugendtheater sowie zeitgenössische Dramatik und fusionierte 2017 mit dem Theater an der Donau zur Jungen Ulmer Bühne (JUB) in der Sparte Kinder- und Jugendtheater. Und immer wieder überraschte eine der ältesten Kultureinrichtungen der freien Szene in Ulm mit teilweise brillanten Aufführungen von den Schauspielstudenten und Schauspielern. Mit Uraufführungen wie „FlüchtIch“, bei dem junge Flüchtlinge mitspielen, oder Inszenierungen von Dr. Peter Radtke, der mehrfach für das Theater tätig war und auch eigene Uraufführungen inszenierte, präsentierte das gemeinnützige akademietheater Theaterabende, die auch über Ulm hinaus Beachtung fanden.

Junge Frau, im Hintergrund bärtiger MannStaatlich anerkanntes Berufskolleg in vielen Sparten
Ralf Rainer Reimann gründete 1996 die gemeinnützige akademie für darstellende kunst adk-ulm gGmbH und die Schauspielschule erhielt die Zulassung als staatlich anerkanntes Berufskolleg. „Die Infrastruktur war aufgebaut und die Bewerbungen haben auch nicht aufgehört“, erzählt Reimann. So wurde das temporäre Projekt kurzerhand fortgeführt. In Eigenregie und mit viel finanziellem Aufwand wurden die Räumlichkeiten am Kuhberg ausgebaut. Ende 2013 stand das Akademietheater wegen der hohen Sanierungskosten kurz vor der Insolvenz, aus der es sich inzwischen wieder erholt hat.

 

 

Ein lebendiger Ort an einem neuen Platz
Nicht eingeplant war allerdings der Umstand, dass der Brandschutz in den Räumen des Fort Unterer Kuhberg nicht mehr ausreichte und eine Sanierung finanziell nicht machbar war. Das private Kolleg für Bühnenberufe musste umziehen und ist nun in Böfingen in der Eberhard-Finckh-Str. 5 untergebracht, inzwischen mit einem langfristigen Mietvertrag. Allerdings ohne Räumlichkeiten für das akademietheater, das eine neue Lokalität in der Zinglerstraße gefunden hat. Ein Glück, denn die Kulturszene wäre um ein erfrischend, lebendiges Theater ärmer und so manches Talent wäre ohne die adk-ulm vielleicht nicht entdeckt worden. Kathie Wolf, die in dem vielfach ausgezeichneten Film „Landrauschen“ als Toni überzeugte, hat ihren Abschluss in Ulm gemacht und ist im Oktober in der blackBOX zu sehen. Aber auch Aaron Frederik Defant, Ismail Zagros oder Christine Adler bereichern als staatlich geprüfte Schauspieler der adk-ulm die deutsche Film- und Bühnenlandschaft. Ulm treu geblieben sind zum Beispiel die ehemaligen Absolventen Sven Wisser, Sina Bajour, Markus Hummel und Jörg Zenker.

Wissenschaftlich erwiesen: Theaterarbeit wirkt
Dass Theater mehr als nur Vergnügen ist, sondern sich positiv auf die Persönlichkeitsbildung auswirkt, zeigt ein Projekt der adk-ulm in Zusammenarbeit mit der Albrecht-Berblinger Schule Ulm sowie dem Hector-Institut für Empirische Bildungsforschung der Universität Tübingen. Eine 8. Klasse erhielt einen 1-jährigen theaterpädagogischen Kurs mit vier Stunden wöchentlich während die Parallelklasse als Kontrollgruppe ohne eine solche Förderung fungierte. Die Schüler der Kurs-Klasse wurden nicht nur in Deutsch besser, sondern auch in schul- und leistungsrelevanten Eigenschaften gestärkt und arbeiteten gewissenhafter. Auch beim Konzentrationsvermögen und im sozialen Umgang habe Kunst eine positive Wirkung auf die Kinder. Bleibt zu hoffen, dass es noch viele solcher Projekte gibt und Theater mehr Raum im Lehrplan findet.

Spielplan im Herbst und weitere
Infos: www.adk-ulm.de

Zwei Frauen mit ganz vielen Plüschtieren


Text: Elvira Lauscher
Fotos: adk Ulm

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