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[Stadtgeschehen]


Arzt, Unternehmer
und Autor

Neugierig auf´s Leben – Professor Dr. Dr. Ralf Uwe Peter

Mann sitzt bequem auf braunem Ledersofa

Um es vorwegzunehmen: Professor Dr. Dr. Ralf Uwe Peter, Arzt und Zigarrenraucher, überzeugter Christ und Familienvater ist ein Typ. Ein Typ, an dem man sich reiben kann. Erfolgreich als Unternehmer, ein Laie als Politthriller-Autor und besonders eines: jemand, der neugierig ist und Veränderungen des Lebens bejahend annimmt.
Es ist schon später Vormittag, als er uns die Wohnungstür im Reuttier Schloss öffnet. Denn dort wohnt er mit seiner Familie seit vielen Jahren. Im Bademantel bekleidet bittet er uns herein. Ich dachte schon, wir kämen zur unpassenden Zeit. „Nein, nein“, winkt er ab. Was wir dann zu sehen bekommen, ist eine Vielzahl von Dingen seines wirklich aufregenden Lebens.

Kindheit in Brasilien, Indien
und Bangladesch

Als Kind lebte der heute 61-jährige Ralf Uwe Peter lange Zeit mit seiner Familie in Brasilien, Indien und Bangladesh, sah Armut und Elend aber auch viel Herzlichkeit. Tief bewegt hat den Familienmensch, dass sein Vater als Monteur in Pakistan im damaligen Ostpakistanischen Krieg 1971 fast ein halbes Jahr verschollen war. Mittellos kehrte die restliche Familie nach Dillenburg in Hessen zurück, seinen Geburtsort. „Als Flüchtlinge im eigenen Land“, sagt der Dermatologe. Erst kurz vor Weihnachten kehrte sein Vater unversehrt zurück. Stolz ist Peter darauf, der erste Akademiker seiner Familie gewesen zu sein. Ansicht auf Schloss Reutti
Er verpflichtete sich bei der Bundeswehr, um finanziell unabhängig sein Medizinstudium abschließen zu können. Es folgten Promotion und schließlich Habilitation. Nach dem ersten Examen arbeitete Peter als Truppenarzt, später wechselte er dann zum Institut für Strahlenbiologie in München. Strahlen? Da war doch was? Ja Tschernobyl, sagt er, und die vielen Toten, von denen viele Verstrahlte länger überlebt hätten, wären sie anders behandelt worden, meint Peter heute. Schon ist er bei einem anderen Thema. Bei Marienthal, dem alternativen Regierungssitz, auf den die deutsche Regierung ausweichen kann, sollte der Regierungssitz in Berlin ernstlich bedroht sein.

Peters Roman „Die Tage der Engel“
Während einer Dienstveranstaltung als Soldat hatte Peter dieses reale Ausweichquartier kennen gelernt und ganz schnell als Kulisse in seinen fiktiven Polit-Thriller „Die Tage der Engel“ eingebaut. Denn Autor ist Ralf Peter auch. Sein Synonym: „Flar E. Retep“ – sein Name rückwärts gelesen. Nach einem Schreibkurs macht er sich 2015 dran, seinen ersten Roman zu veröffentlichen. Darin geht es um Attentäter, die eine ganze ausländische Regierungsdelegation umbringen, einen  radioaktiven Sprengsatz, der über dem Berliner Reichstag ausgeklinkt wird und weitere schmutzige Bomben, die in allen Landtagsgebäuden der Bundesrepublik gezündet werden. Und, wie das Land im Chaos zu versinken droht und eine Militärdiktatur möglich wird. Mitten drin Kanzlerin Angela Merkel. Letztlich siegt die Demokratie. Am Ende bleibt der Leser zurück mit dem Gefühl: könnte passieren. Gar nicht so unwahrscheinlich. Ein bisschen befremdlich wirken die Szenen, in denen Peter detailreich Akkupunktur-Foltermethoden beschreibt. Mehr wird hier nicht verraten.  Ölgemälde mit Motiv der neuen Mitte Anfang der 1940er
Klar ist, dass er in seinem Roman auch Themen anreißt, die sein reales Leben streifen. Mit 38 Jahren der erste Lehrstuhl für Dermatologie in Ulm, dann viele Jahre als Unternehmer selbstständig, als Chef und Leitender Arzt der Blausteinklinik. 2018 wird Professor Ralf Peter in die renommierte Focus-Ärzteliste der Top-Mediziner Deutschlands im Fachbereich Dermatologie gewählt. Dass er sich überhaupt selbstständig gemacht habe, sei eigentlich nicht geplant gewesen. Nachdem das Universitätsklinikum Ulm Anfang 2001 beschlossen habe, eine eigene kleine Universitätsdermatologie neben der Abteilung im Bundeswehrkrankenhaus, deren Leiter der Dermatologie, Venerologie und Allergologie des Bundeswehrkrankenhauses Ulm Ralf Peter bis dahin war, zu errichten, habe er sich entschlossen eine eigene Klinik aufzubauen und die Mehrheitsanteile an der von Dagmar Berg 1992 gegründeten Gefäßklinik in Blaustein zu übernehmen. Plötzlich verändert Peter seinen Tonfall. Er beklagt, wie wenig betriebswirtschaftliche Kenntnisse im Studium vermittelt würden. Niedergelassene Ärzte seien Unternehmer. Sie würden nur schlecht darauf vorbereitet, sagt er. Das Leben? Professor Peter hat ein Motto: Egal, wie schlimm es komme, jeder Sturm laufe sich irgendwann tot und das Wetter werde wieder besser. In schwierigen Zeiten, sagt er, hätten sich für ihn auch immer Chancen und Möglichkeiten gegeben. Lebenserfahrung mache Neues, das man angehe, faszinierender als in jungen Jahren. Die Erfahrung mache vorsichtiger, aber nicht weniger neugierig. Nichts anfangen kann er dagegen mit der sprichwörtlichen „German Angst“. In englischsprachigen Zeitungen ist die zögerliche, ängstliche Haltung der Deutschen in Krisenzeiten und ihr pessimistischer Blick auf die Zukunft bereits legendär und führte zur Übernahme der Begriffskombination in den englischen Sprachschatz.

Zwei Männer sitzen sich zu einem Interview gegenüberPeter kann dieses Gejammere der Deutschen nicht verstehen. Vielleicht liegt es ja an seiner tiefreligiösen Einstellung zum Leben und an seinem Gottvertrauen. Sechs Kinder, zwischen 6 und 28 Jahren alt, hat Peter. Auf diese ist er mächtig stolz. Dass er bei allen beruflichen Aufgaben und seinen zahlreichen gesellschaftlichen Verpflichtungen auch das Leben zu genießen weiß, sieht man daran, mit welchem Vergnügen er an seiner kubanischen Zigarre zieht, während er auf dem Canapé liegend wieder eine seiner zahlreichen spannenden Geschichten aus seinem Leben erzählt. Ein Genussraucher. Jemand, der neugierig ist auf das Leben.


Text: Uwe Kampen
Fotos: Y. Faber (Schloss Reutti) und M.Hellmuth

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