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Stadtgesichter


„Ich möchte auf hohem Niveau unterhalten“

Wo kann man sich mit einer Theatermacherin besser austauschen als in einer Sitzreihe mit Blick auf die Bühne? Deshalb trafen wir uns mit der 43-jährigen Regisseurin und Autorin Edith Ehrhardt im gemütlichen Ambiente der Theaterei Herrlingen zum Gespräch. Schnell war klar: Die Zuschauer dürfen sich schon jetzt auf die sympathische Nachfolgerin von Wolfgang Schukraft freuen.


Frau Ehrhardt, Sie sind in der Theaterei keine Unbekannte.

Edith Ehrhardt: Nein, denn ich habe in der Zeit, als ich am Theater Ulm Regieassistentin war, für Wolfgang Schukraft bereits das Stück „Der Heiratsantrag“ von Anton Tschechow inszenieren dürfen. Das ist nun jedoch schon über zehn Jahre her.


Und jetzt werden Sie Prinzipalin.

Edith Ehrhardt: Ich sehe mich eher als Direktorin (lacht).


Die Theaterei ist eine alteingesessene Institution in Herrlingen. Welche Neuerungen wird es denn unter Ihrer Regie geben?

Edith Ehrhardt: Ich werde wieder mehr Schwerpunkte im anspruchsvollen literarischen Programm setzen. Hierfür steht auch die Premiere des Stückes „Altes Land“ nach dem Roman von Dörte Hansen am 2. Februar. Es wird in Zukunft natürlich auch weiterhin komödiantische Stücke geben. Ich möchte die Zuschauer jedoch immer auf einem hohen Niveau unterhalten und ein gemischtes Programm anbieten, mit Stoffen, die nachklingen.


Worum geht es bei Ihrer ersten Inszenierung „Altes Land“?

Edith Ehrhardt: Es ist eine Generationengeschichte und handelt von Frauen, die aus verschiedenen Gründen aus ihrer Heimat flüchten mussten und in einem alten Haus in Norddeutschland, eben im Alten Land, zusammentreffen.


Warum haben Sie sich gerade das Stück ausgesucht?

Edith Ehrhardt: Weil es sich um eine Familiengeschichte handelt, die sowohl in der Nachkriegsphase als auch in der heutigen Zeit spielt und die von starken Frauenrollen geprägt ist. Die Erzählung dieser unterschiedlichen Lebenswege ist ganz einfach berührend.


Auf welche bewährten Dinge möchten Sie auch in Zukunft nicht verzichten?

Edith Ehrhardt: Dies sind zum Beispiel von mir und dem Publikum geschätzte Schauspielerinnen und Schauspieler, die hier weiterhin gerne spielen möchten. Dazu gehören unter anderem Walter Frei und Marion Weidenfeld. Man darf sich jedoch auch auf viele neue Gesichter freuen.


Wie haben Sie das Publikum in Herrlingen bislang erlebt?

Edith Ehrhardt: Als ein sehr herzliches, offenes und gut gelauntes Publikum. Man spürt den Zuschauern hier förmlich an, dass sie einfach sehr gerne in diesem Raum sitzen und nahe dran sein können am Geschehen auf der Bühne.


Sie haben auch in Ulm am Theater inszeniert. Gibt es Unterschiede zu den Zuschauern dort?

Edith Ehrhardt: Ich finde schon, das kommt natürlich immer auch auf das jeweilige Stück an. Dennoch sind die Menschen im großen Schauspielhaus etwas reservierter und schwerer zu erreichen. Manchmal muss man, wie wir sagen, richtig über die Rampe kämpfen, um eine Reaktion zu bekommen. Dies ist in einem so intimen Raum wie hier in der Theaterei viel einfacher.


Was meinen Sie, wie viele Ulmer kommen denn zu Aufführungen nach Herrlingen?

Edith Ehrhardt: Ich glaube schon, dass einige aus dem Ulmer Raum zu uns kommen. Und ich glaube auch, dass sie immer auch die lockere Atmosphäre genießen, die bei uns herrscht.


Im Gegensatz zu Ihrem Vorgänger werden Sie nicht selbst auf der Bühne stehen. Warum?

Edith Ehrhardt: Ganz einfach, weil ich keine Schauspielerin bin. Ich habe mich von Anfang an für den Job vor der Bühne entschieden. Sicherlich werde ich das eine oder andere Mal moderieren, aber das Theaterspiel überlasse ich anderen. Meine Aufgabe ist es zu reflektieren und mit meinen Erfahrungen als Regisseurin das Beste aus den Darstellern herauszuholen.


Wird es auch das Theaterzelt beim Bad Blau weiterhin geben?

Edith Ehrhardt: Ja, wir werden auch in Zukunft an beiden festen Standorten spielen.


Verraten Sie unseren Lesern noch, weshalb sich ein Besuch in der Theaterei auf jeden Fall lohnt?

Edith Ehrhardt: Bei uns kann man wunderbar mitreißende und erfrischende Abende erleben und nach zwei Stunden erfüllt nach Hause gehen. Das Schöne ist, dass man als Zuschauer bei uns ganz eng an der Geschichte und den Schauspielerin dran sein kann.


Bühne frei
Am 18. Januar 2018, dem 32. Geburtstag der Theaterei Herrlingen, wird sich Wolfgang Schukraft mit einer großen Theater-Gala als Prinzipal mit schwerem Herzen von seinem Publikum verabschieden. Dann heißt es „Bühne frei“ für die 1974 in Riedlingen geborene Edith Ehrhardt. Die studierte Theater- und Musikwissenschaftlerin, die mit dem Schauspieler Frank Ehrhardt verheiratet ist, erhielt für ihre Inszenierung des  Stückes „Ein Winter unterm Tisch“ von Roland Topor bereits den Förderpreis der Stadt Ulm.


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