EBNER MEDIA GROUP – Lokale Medien

Stadtgesichter


Einfach machen!

Nach der Schulzeit ist vor dem Berufsleben. Für viele stellt sich deshalb die Frage: Studium oder Ausbildung? Dr. Tobias Mehlich, Hauptgeschäfts-führer der Handwerkskammer Ulm, gibt in unserem heutigen Gespräch Tipps, damit die Wahl nicht zur Qual wird.


Herr Dr. Mehlich, nach der Schulzeit müssen Jugendliche die Weichen für ihren weiteren Lebensweg stellen. Wie findet man den richtigen Job?

Dr. Tobias Mehlich:Indem man Fragen stellt, mit den Antworten unzufrieden ist, wieder Fragen stellt und noch einmal unzufrieden ist. Man muss sich sozusagen möglichst lange verwirren lassen, um nach einer gegebenen Zeit mit einem guten Berater all die erhaltenen Informationen abzuwägen. Der Dschungel der Berufsmöglichkeiten ist für Jugendliche sehr gefährlich und die Vielfalt der Berufe kann durchaus eine Quelle des Unglücks sein.


Ist nicht gerade diese Spannbreite eine große Chance?

Dr. Tobias Mehlich: Man nennt das auch die Qual der Wahl. Schauen Sie mal, wir haben in den vergangenen zehn Jahren 18.000 neue Studiengänge kreiert. Wie soll denn ein junger Mensch, der mitten in der persönlichen Entwicklung steckt, bei dieser Vielfalt herausfinden, was zu ihm passt und welches Angebot auch dazu führt, dass später Geld verdient werden kann? Dagegen ist die gesamte handwerkliche Vielfalt von 150 Berufen geradezu übersichtlich und berechenbar.


Was tut man, wenn man in der Ausbildung oder auf der Hochschule merkt, dass man sich falsch entschieden hat?

Dr. Tobias Mehlich: Unsere Schul- und Berufssysteme sind durchlässiger geworden. Das heißt, dass man auch im Laufe von Berufsausbildungen wechseln kann. Wichtig ist in dieser Situation auf jeden Fall der Besuch bei einem Berufs-berater. Der findet zusammen mit dem Jugendlichen die Talente und Begabungen heraus, beschäftigt sich mit der Persönlichkeit und kann so neue Chancen ausloten.


Wichtig ist, dass man die eigenen Fähigkeiten und Wünsche frühzeitig erkennt?

Dr. Tobias Mehlich: Ja, denn man verändert sich ja auch permanent. Ein 16-Jähriger denkt anders als ein 20-Jähriger.


Ist Ulm ein gutes Pflaster, wenn man sich für einen Handwerksberuf entscheiden möchte?

Dr. Tobias Mehlich: Sogar ein sehr guter Ort. Hier und auch in der Region kann man für jeden Berufswunsch eine Ausbildung in tollen Betrieben finden. Denn der richtige Beruf in der falschen Firma kann auch zu Schwierigkeiten  führen. Zudem gibt es Kooperationen mit den Hochschulen in Biberach und Ulm. Eine handwerkliche Ausbildung kann auch parallel zu einem Studium absolviert werden.



Was können die Eltern zur richtigen Berufswahl beisteuern?

Dr. Tobias Mehlich: Eltern sollten ihre Kinder in dieser schwierigen Phase des Erwachsenwerdens begleiten. Sie kennen die Stärken und Schwächen ihrer Kinder. Und sie sollten den jungen Menschen ermöglichen, in Betriebe  hineinzuschauen, damit sie einen ersten Eindruck von den jeweiligen Berufen gewinnen können. Anders ausgedrückt: einfach machen! So lautet ja auch das Motto der aktuellen Imagekampagne des Handwerks. Es ist jedoch wichtig, dass sich die Eltern von den eigenen Vorstellungen der vergangenen Zeiten lösen. Denn die Antworten, die sie selbst damals bekommen haben, sind heute oftmals die falschen für die eigenen Kinder.


Warum ist das Handwerk so wichtig?

Dr. Tobias Mehlich: Ganz einfach. Sie sitzen gerade darauf, haben es an, bewegen sich in diesem Besprechungsraum darin und fahren nach dem Gespräch damit weg. Es gibt keinen Lebensbereich, in dem einem das Handwerk nicht begegnet. Oder etwas volkswirtschaftlich solider ausgedrückt: Das Handwerk ist in der Vielfalt seiner Berufe, vom Augenoptiker über den Elektriker bis hin zum Maurer oder Bäcker, ein Wirtschaftszweig, der für den Wohlstand und die Versorgung der Bevölkerung in Ulm massiv wichtig ist.


Apropos Ulm. Welche drei Begriffe verbinden Sie spontan mit unserer Stadt?

Dr. Tobias Mehlich: Blauer Himmel, wunderschöne Donau und ein angenehmes Leben.


Dr. Tobias Mehlich wurde 1968 in Hessen geboren. Seit Mai 2010 ist der Jurist Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Ulm. Neben dieser Tätigkeit ist der Vater von drei Kindern unter anderem stellvertretender Vorsitzender des Radio7-Programmbeirats, ehrenamtlicher Richter am Landesarbeitsgericht Baden-Württemberg sowie Vorsitzender des Kinder- und Jugendchors Ulmer Spatzen.


zurück