EBNER MEDIA GROUP – Lokale Medien

Stadtgesichter


Markthalle 4.0

Dzenis Drinjak ist der Gründer des Popup-Projekts Markthalle, die man seit Anfang Juni 2018 im ehemaligen Königreichssaal im Heigeleshof findet. Ein gemütlicher Ort, der mit seinen unterschiedlichen Essensständen zum Schlemmen und Verweilen einlädt. Bei Dzenis wird Regionalität großgeschrieben – und mindestens so groß sind auch seine Zukunfts-pläne für die Markthalle.

 

Welche kulinarischen Köstlichkeiten erwarten die Besucher in der Markthalle?

Dzenis Drinjak: Es ist ein Popup-Projekt auf zwei Jahre begrenzt. Bisher ist es noch keine richtige Markthalle, wir haben jetzt aber zwei Jahre Zeit, um diese aufzubauen. Kulinarisch sind wir nicht eingeschränkt, sondern offen für jedes Konzept und jede exotische Küche, die sich hier gerne ausprobieren möchte. Im Moment haben wir asiatisch, latein-amerikanisch, italienisch, eritreisch, Köfte und Pastrami-Sandwiches.

 

Du hast bereits Projekte wie die „Gemüsemafia“ oder das „SuCasa“ ins Leben gerufen. Wie ist die Idee für die Markthalle entstanden?

Dzenis Drinjak: Ziemlich spontan. Der Besitzer des Gebäudes hat mich gefragt, ob ich hier nicht eine Art Veranstaltungsclub machen will. Das habe ich aber schon durch und wollte das nicht mehr. Ich hatte schon länger im Kopf, dass in Ulm eine Markthalle fehlt. Es gab bereits eine vom Fruchthof Nagel, die in Neu-Ulm und damit sehr abgelegen war. Die Halle hier hat einen guten Standort, weil sie ziemlich zentral ist. Dann kam das eine zum anderen und ich konnte mir vorstellen die Räumlichkeiten vorübergehend als Markthalle zu nutzen.

 

Hast du für die Zukunft eine Erweiterung geplant?

Dzenis Drinjak: Dem Besitzer gefällt es jetzt so gut, dass er sich vorstellen kann in ca. zwei Jahren, wenn hier neu gebaut wird, eine Markthalle auf zwei Ebenen zu realisieren. Unten sind dann die Händler und oben der Food Court. Dieses Gebäude soll sechsstöckig werden, sodass eine Dachterrasse entstehen kann, auf der es sich die Leute ebenfalls gemütlich machen können.

 

Welches Konzept verfolgst du mit der Markthalle?

Dzenis Drinjak: Die Markthalle soll ein Ort werden, an dem wir uns regional neu verknüp-fen – in Richtung Markthalle 4.0. Dazu werden wir im Oktober eine Marktschwärmerei ins Leben rufen. Das ist eine App, die ursprünglich aus Frankreich kommt. Über die App kann man von regionalen Landwirten, die aufgrund ihrer geringen Produktionsmenge nicht auf dem Wochenmarkt vertreten sind, handgemachte Butter, spezielles Fleisch oder verschiedene Feinkost aus unserer Region vorbestellen und diese einmal die Woche in der Markthalle bei den kleinen Landwirten abholen. Mir schwebt vor, dass wir das Potenzial unserer Region ausschöpfen und das reichhaltige Angebot unserer Heimat nutzen.

 

Welches Publikum nutzt bisher die Markthalle?

Dzenis Drinjak: Querbeet. Mittags haben wir unser Kerngeschäft, abends haben wir bisher noch das Problem, dass wir keine Konzession haben. Die ist aber beantragt und wird demnächst auf jeden Fall kommen. Dann können auch abends kleinere Konzerte oder Veranstaltungen stattfinden – weil mal ehrlich, ein Abendessen ohne ein Glas Wein oder ein Bier ist halt schwierig.

 

Wie sieht ein typischer Tag in der Markthalle aus?

Dzenis Drinjak: Wie eine Taxifahrt bei der ich nicht weiß, wo ich rauskomme.

 

Was sagst du zur derzeitigen Food-Szene in Ulm? Was würdest du dir da wünschen?

Dzenis Drinjak: Es gibt immer wieder neue Impulse, Läden die neu aufmachen. Man merkt, dass einige Leute anfangen sich bewusster und regionaler zu ernähren. Ich würde mir wünschen, dass wir die komplette Stadt in fünf Jahren durch regionale Anbieter und Produzenten versorgen können. Es gibt eine Studie, die zeigt, dass Hamburg sich bereits jetzt komplett biologisch ernähren kann.

 

Kann Ulm das auch?

Dzenis Drinjak: Es gibt Studien, die aufzeigen inwieweit die biologische Landwirtschaft in puncto Wirtschaftlichkeit mit der konventionellen Landwirtschaft verglichen werden kann und da ist Bio seit Jahren ganz klar besser. Es gibt viele Landwirte, ein paar wenige in Ulm, die biologische Landwirtschaft in Betracht ziehen. Aber Ulm ist da sehr, sehr rückständig. Hier ist es sehr viel konventioneller.

 

Was wünschst du dir für die Zukunft?

Dzenis Drinjak: Dass in den Köpfen der Menschen ein Umdenken stattfindet und mehr biologisch erzeugte Lebensmittel produziert und verkauft werden. Unser Handeln ist nicht fair gegenüber der Generation die nach uns kommt. Wenn ich ein fünfjähriges Kind anschaue, kann ich nicht mehr so gewissenlos sagen: „Das wird es mal gut haben.“, denn wir wissen, wenn wir so weitermachen wird unsere Welt in 30 Jahren nicht mehr dieselbe sein.

 

Zum Abschluss noch eine Frage, die wir allen Interview-Partnern stellen: Welche drei Begriffe verbindest du mit Ulm?

Dzenis Drinjak: Heimat, gemütlich und rückständig. Rückständig was die biologische Landwirtschaft betrifft.

 


Dzenis Drinjak möchte bei seinen Mitmenschen ein Bewusstsein dafür schaffen, lieber beim regionalen Landwirt als im Supermarkt einkaufen zu gehen. Mit der Markthalle will er den regionalen Produkterzeugern eine Plattform bieten, ihre Lebensmittel an den Mann zu bringen. Zudem sollen dort zukünftig auch Infoabende über neue Anbaumöglichkeiten und Ähnliches stattfinden.


zurück