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[Stadtgesichter] Interview


„Ulm ist eine coole Stadt für Straßenmusik“

Die Jungs der Roadstring Army auf der Couch mit Savannah Blank

Roadstring Army: Shane Gewerth, Konrad Bizer, Basti Seliger mit Savannah Blank

Von den Ulmer Straßen auf die Bühne hochgerockt haben sich die Jungs der Roadstring Army. Ihre Musik setzt irgendwo zwischen Rock, Pop und Blues eine einzigartige Note. Bis nach Paris hat es die Jungs schon verschlagen und doch ist Ulm ihr Zuhause.

 

Ihr habt als Straßenmusiker angefangen. Könnte man davon leben?

Basti: Es kommt darauf an, wie man leben will. Man kriegt es schon hin seine Miete zu bezahlen, man könnte mit Straßenmusik aber keine Familie gründen. Wir machen Straßenmusik überhaupt nicht wegen dem Geld. Es ist aber so, dass auf der Straße „extrem viel Geld liegt“: An guten Tagen kann man schon mal 100 Euro in der Stunde bekommen. Man hat aber halt kein geregeltes Einkommen.

 

Wo sind in Ulm gute Plätze für Straßenmusik?

Basti: Ich würde sagen, dass der Münsterplatz der beste Spot ist. Vor allem im Sommer muss man als Straßenmusiker gucken, dass maximal viele Leute zuhören. Am besten sucht man sich einen Ort, wo Cafés sind. Beim Abt am Münsterplatz laufen viele Straßen zusammen, da bleiben immer viele Leute stehen. Grundsätzlich gilt auf der Straße ein First-Come-First-Serve-Prinzip: wenn an einem Platz schon jemand ist, dann respektiert man das auch. Das finde ich richtig cool in Ulm.

 

Gibt es irgendeinen Moment auf der Straße, der euch besonders im Sinn geblieben ist?

Konrad: Ja, die Leute, die man kennenlernt. Wir haben durch die Straßenmusik schon viele Veranstalter oder Leute getroffen, die einen vermittelt und geholfen haben. Das hätten wir am Anfang nicht erwartet.
Basti: Wir waren mal für ein Musikvideo in Italien. Da haben wir auf einem Rastplatz Halt gemacht und auf unserem Bus angefangen zu spielen. Es kamen viele Urlauber, um uns zuzuhören. Das waren Leute, die einfach nur aufs Klo mussten und an unserem Bus vorbeigelaufen sind. Am Ende haben die sich dazugestellt und sogar noch zehn Euro in den Hut geworfen. Die Sachen, die du nicht planen kannst, sind meistens die Schönsten.

 

Ganz anderes Thema: Sebastian, du spielst ja das Wobasax. Wie ist es dazu gekommen?

Basti: Auf dem internationalen Donaufest in Ulm war ein Stand von einem Typ aus Lindau, der die schnitzt. Wir haben das gesehen und aus Spaß gesagt, dass das voll der geile Gag auf der Straße wäre. Wir haben es uns gekauft und auch irgendwann mit auf die Bühne genommen.
Konrad: Keiner von uns konnte es spielen! Wir haben „Schnick Schnack Schnuck“ gemacht und der Verlierer musste es lernen.
Basti: Ja, es hat schon bisschen gedauert. Wenn man das falsch spielt,
kommen Töne raus, die sind gesundheitsschädlich (lacht).

 

Shane, du kommst ja ursprünglich aus den USA. Magst du es, in Deutschland, in Ulm zu leben?

Shane: Ja, Ulm ist eigentlich eine ganz interessante Stadt. Ich komm wirklich so richtig vom Land und Ulm ist für mich groß genug. Es hat genug zum Unternehmen, ist eine schöne Gegend und ich fühl’ mich wie zuhause.

Die Jungs der Roadstring Army beim Spielen im Proberaum

Wie geht ihr mit Lampenfieber um?

Basti: Jeder hat da seine eigene Art und Weise. Ich geh’ immer kurz bevor Stagetime ist aufs Klo.
Konrad: Ja und dann geht die Bühne auf und der Sänger ist nicht da (lacht).
Basti: (Lacht). Ich mache das aber nicht, weil es mein Lampenfieber reduziert, sondern eher als Ritual – warum auch immer, es hilft mir.
Konrad: Ich hab’ eigentlich kein Lampenfieber mehr, ich freu’ mich eher drauf. Aus der Angst am Anfang vor anderen zu spielen ist mehr eine Freude geworden.

 

Welchen Rat würdet ihr Musikern geben, die gerade erst am Anfang stehen?

Basti: So viel spielen wie geht! Das wichtigste ist, als Band zusammenzuwachsen. Das geht nicht nur im Proberaum, sondern man muss auch live zusammenspielen, um irgendwann eine coole Show zu machen. Durch die viele Spielerei kommt eine Fanbase und dann macht es auch Sinn eine EP rauszubringen.

 

Sebastian, auf fast jedem Bild eines Konzerts trägst du das grüne Hemd. Warum?

Basti: Wir haben uns überlegt, ein Stage-Outfit zu machen. Zum einen, weil man mental einen anderen Zustand hat, wenn man sich vor dem Gig umzieht. Du denkst, okay jetzt habe ich das Hemd angezogen, jetzt geht es los. Zum anderen wollten wir was anziehen, das unsere Musik verkörpert. Farblich haben wir uns auf Braun- und Grüntöne festgelegt, deshalb das grüne Hemd. Bei den Hosen haben wir gesagt, dass alle bisschen used und zerrissen sein sollen, sodass dieser Straßenmusik-Stil rüberkommt. Uns war einfach wichtig, dass es zu unserer Mukke passt.

 

Was verbindet Ihr mit Ulm?

Shane: Shane: Luftfeuchtigkeit. Obwohl es bei mir Zuhause auch mal -45 Grad haben kann, ist es hier viel schlimmer, wenn es 0 Grad hat, weil es so unheimlich feucht ist.
Konrad: Ich komm’ nicht ursprünglich aus Ulm, aber jetzt verbinde ich es schon mit Zuhause, weil hier alles ist, was mein Leben ausmacht.
Basti: Ist bei mir genauso. Wir sind ne’ Ulmer Band, obwohl niemand wirklich Ulmer ist, die Band ist hier entstanden. Und auch unabhängig von der Musik haben wir alle einen krass festen Freundeskreis hier. Da fühlt man sich einfach automatisch wie zuhause.

Savannah Blank interviewt die Jungs der Roadstring Army
Roadstring Army
Als Duo gründeten Basti (26) und Konrad (27) 2016 die Roadstring Army. Mit Shane (28) am Schlagzeug und Matze (30) am Bass ist die Band seit 2017 komplett.
Beruflich sind die Jungs ganz verschieden unterwegs. Basti studiert Zahnmedizin, Konrad Medizin an der Uni Ulm. Shane nutzt seine amerikanische Herkunft und arbeitet freiberuflich als Sprachlehrer, während Matze als Doktorand der Physik tätig ist. Wer die Jungs in Ulm live sehen möchte, der sollte am 5. April ins Studentencafé kommen. Und für die, die nicht warten wollen: Am 1. März wird die neue Single „Soldier“ released. Die Musik der Band gibt’s online und auf allen Streaming Diensten zu hören.


Das Interview führte Savannah Blank
Fotos: Barbara Kröner

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