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[Stadtgesichter] Interview


Barbara Lang interviewt Mirjam Heubach am Tisch, Foto 1 von 4

„Natürlich gibt es die ganz große Liebe“

Vom Trauzeugen in der Putzkammer und anderen Hochzeitsstorys

Schon nach den ersten Sätzen ist klar: Mirjam Heubach macht ihren Job mit viel Herzblut! Sie liebt, lacht und leidet mit jedem Brautpaar mit und bleibt dennoch der Profi mit den Fäden in der Hand. Wir durften die sympathische Hochzeitsplanerin in ihrem Gemeinschaftsbüro im Schmuck-Atelier „Tu Ego“ treffen.

„Wedding Planner“ – da gibt’s doch diesen Film mit Jennifer Lopez. Kann man sich Deinen Job so vorstellen?
Mirjam Heubach: Also, wie Jennifer Lopez stellen wir uns das lieber nicht vor, denn die nimmt sich ja den Bräutigam – das wäre nicht so gut für mein Image (lacht). Aber dieses ganze Szenario mit Klemmbrett und Headset ist gar nicht so unrealistisch. Ich nehme die Paare quasi ab der Verlobung an die Hand und unterstütze sie bei allen Entscheidungen und Planungen: Konzept, Brautkleid, Anzug, Ringe, Florist, Dekoration, Fotograf, Videograf, Location, bis hin zu einem detailierten Tagesplan.

Barbara Lang interviewt Mirjam Heubach am Tisch, Foto 2 von 4 Warum machen die Leute das nicht mehr selbst?
Mirjam Heubach: Hochzeit hat mittlerweile Event-Charakter bekommen: Lauter, bunter, wilder, abgefahrener – allein durch die Social Media-Kanäle wurde das sehr aufgebauscht. Ich fange meine Paare da zwischendrin auch immer wieder ein und erinnere sie daran, worum es eigentlich geht: um zwei Menschen, die sich entscheiden, ihren Lebensweg miteinander zu teilen.

Die Paare legen ihren „schönsten Tag des Lebens“ in Deine Hände …
Mirjam Heubach: Ja, mir ist bewusst, welch großes Vertrauensgeschenk das ist. Ich bin auch immer emotional involviert. Und es darf nichts schiefgehen, denn wir haben keine Chance, das zu wiederholen.

Barbara Lang interviewt Mirjam Heubach am Tisch, Foto 3 von 4 Gab es denn schon Pleiten, Pech und Pannen?
Mirjam Heubach: Natürlich nicht – ich bin ja Profi (lacht). Also, zumindest ist noch keine Braut und kein Bräutigam davon gerannt. Aber natürlich musste schon die ein oder andere Trauung verschoben werden, z.B. weil die Brautmutter auf die falsche Burg gefahren ist. Da gilt es, entspannt zu bleiben, das Paar zu beruhigen, allen erst mal ein Glas Prosecco zu geben und spontan Programm aus dem Ärmel zu schütteln – damals war’s eine Burgführung.

Verrätst Du uns ein paar Deiner schönsten Erlebnisse?
Mirjam Heubach: Darüber schreibe ich derzeit ein Buch: Jedes Fest hat seine ganz eigenen Highlights und zauberhaften Momente. Zum Beispiel, wenn die Trauzeugin bei der Hochzeit selbst einen Heiratsantrag bekommt, überraschend ein Promi mit einer Showeinlage auftritt oder hinterm Büfett ein Starkoch steht.

Gab es auch Skurriles?
Mirjam Heubach: Ich kann mich an einen sturen Trauzeugen erinnern, der partout die Braut entführen wollte, was sie aber ausdrücklich verboten hatte. Den musste ich dann mal kurz in eine Putzkammer sperren und durch die Türe Tacheles mit ihm reden – natürlich humorvoll (lacht).

Du hältst auch freie Traureden. Das heißt, Du musst gut sprechen können. Welches „Handwerkszeug“ ist darüber hinaus wichtig?
Mirjam Heubach: Gut zuhören können. Empathie. Sich auf die Paare einlassen und ein Gefühl für die beiden zu bekommen. Ich finde besonders wichtig, neben dem ganzen „Wir“ auch die Persönlichkeit des Einzelnen herauszuarbeiten.

Unsere Kolumne dreht sich um Liebesbriefe. Sollten wir diese alte Tradition nicht wieder aufleben lassen?
Mirjam Heubach: Unbedingt, das ist viel romantischer als eine Liebes-WhatsApp. Ich finde Liebesbriefe großartig und animiere meine Paare gerne dazu. Genauso alt und bezaubernd ist ja auch die „Morgengabe“: Da geben sich Braut und Bräutigam am Hochzeitsmorgen ein kleines Geschenk. Schön, wenn da noch so ein kleiner Liebesbrief dabei ist.

Barbara Lang interviewt Mirjam Heubach am Tisch, Foto 4 von 4

Die Sache mit der Liebe …
Mirjam Heubach: … ist auf jeden Fall keine einfache! Es ist ein ganz großes Glück, wenn man die passende Hälfte findet. Man sagt ja immer: Für jeden Topf gibt’s den passenden Deckel. Ich hoffe, es gibt mehrere, sonst finde ich den Einen womöglich nicht (lacht). Liebe ist eine sehr schöne Lebensaufgabe, die sich immer wieder verändert. Liebe ist eine große Verbundenheit zwischen zwei Menschen und die Entscheidung, füreinander Verantwortung zu übernehmen.

Gibt es die „Liebe fürs Leben“ noch, in Zeiten von Datingportalen und unendlichen Möglichkeiten, vielleicht noch eine bessere Partie zu finden?
Mirjam Heubach: Ja, ich glaube, es gibt die ganz große Liebe. Aber natürlich hat sich das verändert mit all diesen Möglichkeiten. Man muss sich überlegen: Was will ich eigentlich? Wie agiere ich selbst und was erwarte ich von meinem Gegenüber? Ich glaube, wenn man bei sich selbst anfängt mit der Liebe, dann ist auch Platz für einen anderen.

Die Liebe beginnt also bei sich selbst?
Mirjam Heubach: Ja, es ist nicht die Aufgabe eines anderen, mich glücklich zu machen. Da muss man schon selbst viel mitbringen und in die Waagschale legen – dann kann das etwas ganz Wundervolles werden.

Vielen Dank für diese sehr schönen Antworten und Anregungen!

 

Digitale Visitenkarte von Mirjam HeubachNach einem BWL-Studium und Jobs als Marketingleiterin und Qualitätsmanagerin, ist Mirjam Heubach im sechsten Jahr als IHK-geprüfte Eventmanagerin-Hochzeit selbstständig. Mit Ihrer Agentur „Freudenfeuer“ hat sie bisher über 300 Hochzeiten organisiert. Da springt sie auch mal als Babysitter oder Chauffeur ein und ist Notfall-Managerin: Nadel, Faden, Pflaster und Kosmetik gehören ebenso zu ihrer Ausstattung wie das Wissen, kleine Rasier-Blutflecken vom Kragen des Bräutigams zu entfernen. Sogar ihre eigene Strumpfhose hat sie schon mal der Trauzeugin gegeben … Ihren persönlichen Mr. Right hat die eloquente Weddingplanerin bisher noch nicht gefunden – aber der wird garantiert kommen: bei so viel Charme!


Das Interview führte Barbara Lang · Fotos: Barbara Kröner

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