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[Stadtgesichter] Interview


Lachende Tierpflegerin im Interview mit Redakteurin

Vermittlerin zwischen Mensch und Tier

Zoopädagoge gehört wohl zu den Berufen, die die wenigstens Menschen auf dem Schirm haben. Isabel Jabs ist Zoopädagogin im Ulmer Tiergarten und besetzt dort eine Viertel-Arbeitsstelle. Schon nach den ersten Sätzen wird klar: Die gebürtige Argentinierin macht ihren Job mit Leidenschaft und Hingabe. Zu jedem Tier kennt sie eine Geschichte. Während unseres Rundgangs widmet sie sich jedem Bewohner im Tiergarten und wenn sie von ihrem Beruf erzählt, strahlt sie.

Frau Jabs, was genau macht eine Zoopädagogin?
Isabel Jabs: Eine Zoopädagogin ist quasi die Schnittstelle zwischen Mensch und Tier. Ich koordiniere die Zoolotsen, die die Führungen geben. Ich plane Führungen, betreue die Zooschule. Ein guter Zoo oder Tiergarten basiert auf vier Säulen: Artenschutz, Vergnügen, Bildung und Forschung.
Als Zoopädagogin versucht man, über den Zoo den Menschen die Tierwelt näherzubringen. Denn was man kennt, das kann man schätzen lernen. Und was man schätzt, das möchte man eher schützen. Vor allem Kinder sind weniger voreingenommen und können lernen, Tiere als fühlende Wesen zu respektieren. Außerdem versucht man als Zoopädagogin oder wir im Zoo allgemein, mit Vorurteilen aufzuräumen. Piranhas zum Beispiel, bei denen denkt jeder, sie seien böse, blutrünstiger Fische. Das stimmt aber nicht. Piranhas fressen tote und kranke Fische und helfen so, das Wasser im Fluss von gefährlichen Krankheitskeimen sauber zu halten. Ohne die Piranhas als Gesundheitspolizei würden alle Fische in langen Flussstrecken sterben.

Sie haben ja eine Viertel-Arbeitsstelle. Was machen Sie, wenn Sie nicht im Tiergarten sind?
Isabel Jabs: Ich bin Familien-Managerin, also (Vollblut)-Mama. Das macht mir sehr viel Spaß und erfüllt mich. Ich bin zusätzlich ehrenamtlich tätig und habe Hobbys. Außerdem haben wir einen jungen Hund daheim, der hält einen auf Trapp. Und ich bin gerne in der Natur.

Transparent des Tiergarten Ulm

Wie wird man Zoopädagogin?
Isabel Jabs: Dafür gibt es keine bestimmte Ausbildung. Bei mir war es so, dass die Stelle im Tiergarten ausgeschrieben
war und ich mich darauf beworben habe. Gefordert war damals ein Studium der Tiermedizin, Biologie oder Ähnliches.

Sie sind studierte Tierärztin, haben Sie auch in diesem Berufsfeld gearbeitet?
Isabel Jabs: Ja, in Argentinien habe ich schon neben dem Studium in einer Kleintierpraxis gearbeitet. Der Arzt war immer ganz froh, wenn er jemanden hatte, der in der Praxis bleibt, wenn er noch ans Meer wollte (lacht). Obwohl mir der Beruf gefallen hat, trauere ich dem nicht nach. Als Tierärztin ist man die Person, vor der die Tiere eher Angst haben, weil sie uns mit unangenehmen Sachen wie Untersuchungen und Behandlungen verbinden. Das hat mir nicht gefallen und das wollte ich nicht mehr.

Den Berufswunsch Tierärztin hört man ja oft aus Kindermündern. Wie war das bei Ihnen?
Isabel Jabs: Ich habe mich schon immer für die Natur und für Tiere begeistert, gerade in Argentinien ist die ja total vielfältig. Deshalb war für mich früh klar, ich will etwas mit Tieren machen. In Argentinien sind die Möglichkeiten aber begrenzt: mit Biologie kann man nur Lehrer werden, aber dann hat man keinen direkten Kontakt zum Tier. Also war das Studium der Tiermedizin die einzige Möglichkeit mit Tieren in Kontakt zu treten und ihnen gleichzeitig zu helfen.

Verraten Sie uns eines Ihrer schönsten Erlebnisse in ihrem Beruf?
Isabel Jabs: In dem Beruf gibt es unglaublich viele schöne Momente, die erlebt man aber in den meisten Fällen mit den Menschen und nicht mit den Tieren. Ich habe zum Beispiel einmal eine Führung für Besucher mit Behinderungen betreut. Da war eine Frau dabei, die als einzige ständig sehr zurückhaltend war und kein Interesse zeigte. Als ich dann eine Bartagame, eine Echsenart, zum Streicheln herausholte, hielten sich alle anderen Teilnehmer ängstlich zurück, während sie auf einmal total aufgeblüht ist und ganz begeistert und vorsichtig die Echse gestreichelt hat. Da sieht man, was Tiere mit Menschen machen können.

Aquarium mit vielen bunten Korallen

Welche Eigenschaften muss eine Zoopädagogin mitbringen??
Isabel Jabs: Abgesehen von der Leidenschaft für Tiere muss man mit Menschen umgehen können, auf verschiedene Gruppierungen eingehen können, um die Begeisterung für Tiere in ihnen zu wecken. Man muss auf vieles achten: Sprache, Wissensstand, Interessen, Konzentrationsfähigkeit und körperliche Fitness der Zielgruppe. Eine Führung für Kinder gestaltet man deshalb ganz anders als eine für Senioren, die vielleicht nicht mehr so gut zu Fuß unterwegs sind. Das Ganze
geht aber nicht ohne Humor und eine gehörige Portion Geduld!

Was macht Ihnen an Ihrem Job am meisten Spaß?
Isabel Jabs: Die Führungen, die Arbeit mit Menschen, die Pädagogik, den Menschen etwas über die Natur und die Tiere zu erzählen. Viele laufen durch den Tiergarten, schauen sich die Tiere an, wissen danach aber nicht mehr. Durch die Führungen kann ich unseren Besuchern die Besonderheiten der Tiere erklären. Vor allem ist es schön, Kindern die Natur und die Tiere nahe zubringen.

Und was macht nicht so viel Spaß?
Isabel Jabs: Der Papierkram (lacht).

Haben Sie ein paar Tipps für junge Menschen, die mit Tieren arbeiten wollen?
Isabel Jabs: Es gibt so viele verschiedene Berufe, bei denen man mit Tieren arbeiten kann. Man muss darauf achten, worin man am besten ist und was man möchte. Wer sich für Medizin und die Funktion eines komplexen Organismus interessiert, für den ist Tierarzt spannend. Zoopädagogen vermitteln zwischen Mensch und Tier, versuchen das Wissen über Tiere den Menschen beizubringen. Tierpfleger dagegen arbeiten direkt an und mit den Tieren und betreuen sie. Ihre Arbeit hat mehr mit dem Wohl der Tiere zu tun.

Was macht den Ulmer Tiergarten besonders?
Isabel Jabs: Das Besondere ist die Kombination von geringer Größe und der Vielzahl an Tierarten. Es ist eine wunderschöne Anlage mitten in der Friedrichsau. Nicht zu groß, nicht zu klein, genau richtig um Wissen zu vermitteln. Ich glaube, die Stadt hat mit dem Tiergarten ein richtiges Juwel, allerdings noch ziemlich ungeschliffen.

Haben Sie hier ein Tier, das Ihr Herz erobert hat?
Isabel Jabs: Ich bewundere alle Tiere, aber den Klammeraffen Gustl habe ich schon richtig liebgewonnen. Immer wenn ich bei ihm vorbeischaue, nimmt er mit mir durch die Scheibe Kontakt auf.

Bilderserie mit Tierpflegerin und Redakteurin

Kennen Sie jedes Tier im Tiergarten?
Isabel Jabs: Fast. Die großen Tiere kenne ich alle mit Namen, aber bei den kleinen Fischen zum Beispiel ist das etwas schwieriger.

Woher kommen eigentlich die Tiere im Tiergarten?
Isabel Jabs: Die meisten Tiere, die bei uns leben, stammen von anderen zoologischen Einrichtungen, manche wiederum wurden von verantwortungsvollen Züchtern erworben. Leider lässt die Begeisterung für exotische Tiere aber auch den Schwarzmarkt florieren und so kommen viele Tiere in unerfahrene Hände. Wenn diese Menschen dann gegen den Tierschutz verstoßen, werden die Tiere beschlagnahmt. Meistens kann man sie nicht an ihren Ursprungsort zurückbringen und so wird der am besten geeignete Zoo dafür ausgesucht. Im Tiergarten konnten wir einigen dieser Fälle eine zweite Chance auf ein artgerechtes, würdiges Leben geben. Wir wünschen uns auch etwas zum Artenschutz beizutragen. In Zukunft wollen wir zum Beispiel Fische, die vom Aussterben bedroht sind, züchten, mit dem Ziel, sie irgendwann auszusetzen.

Welche Führungen gibt es im Ulmer Tiergarten?Tierpflegerin mit grauer Weste im Interview
Isabel Jabs: Die Führungen werden immer auf die Menschen abgestimmt. Es gibt Führungen für jede Altersklasse. Außerdem gibt es in der Zooschule die Möglichkeit, sich bei einer Sonderführung nur mit einem Tier oder einem Themengebiet zu beschäftigen. Es gibt viele tiervernarrte Kinder, die gerne in unserem Zooschulraum ihren Geburtstag feiern. Wir bieten eine besondere Führung für das Fest. Grundsätzlich versuchen wir, das Angebot so individuell wie möglich zu gestalten.

Sie sind nun seit 17 Jahren in Ulm. Haben Sie ein Lieblingsplätzchen?
Isabel Jabs: Natürlich der Tiergarten (lacht). Aber im Ernst, in Ulm fehlt mir im Vergleich zu meiner Heimat manchmal die Weite, aber das ist in jeder Stadt in Deutschland so. Allerdings kommt die Friedrichsau mit dem vielen Grün und der großen Fläche schon nahe ran, hier fühl ich mich sehr wohl.

Vielen Dank für Ihre Zeit und das Interview.


Das Interview führte Savannah Blank
Interviewfotos: Barbara Kröner

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