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Stadtgesichter


„Birdly passt sehr gut zu uns“

Seit über 150 Jahren thront er nun schon auf dem Dach des Ulmer Münsters und ist somit das Wahrzeichen auf unserem Wahrzeichen. Den Ulmer Spatz gibt es als Laugengebäck und als Marzipanfigur. Er ist Namensgeber eines Hotels, eines Schiffes und sogar eines kleinen Planeten. Wir sprachen mit unserer Symbolfigur unter anderem über längst vergangene Tage und hypermoderne Fluggeräte.


Lieber Ulmer Spatz, seit Mitte des 19. Jahrhunderts sitzt Du schon hier in luftiger Höhe. Bist Du denn nicht oftmals auch ein bisschen einsam auf Deinem First?

Ulmer Spatz: Nein, keinesfalls. Ich bekomme regelmäßig Besuch von meinen Artgenossen und anderen Vögeln wie Turmfalken oder Tauben. Zudem habe ich von hier oben ganz Ulm im Blick und kann das rege Treiben in der Stadt beobachten. Mittwochs und samstags ist wegen des Wochenmarkts auf dem Münsterplatz besonders viel los. Da bin ich sogar ganz froh, dass ich hier oben meine Ruhe vor dem Gedränge und Trubel habe.


Das Stadtbild rings um Dich herum hat sich ja ganz schön verändert in den vergangenen Jahrhunderten. War früher wirklich alles besser?

Ulmer Spatz: Früher war Ulm sehr schön. Nach dem Krieg konnte ich den Anblick meiner geliebten Stadt kaum ertragen. Aber die fleißigen Ulmer haben unsere Heimat wieder richtig schön aufgebaut und zu einer attraktiven Stadt gemacht.


Auf was bist Du denn mächtig stolz in unserer Heimatstadt?

Ulmer Spatz: Ganz besonders stolz macht mich mein „Sockel“ – also das Ulmer Münster. Und wenn ich täglich beobachte, wie viele Ulmer und auch Gäste vor der Kirche mit dem höchsten Kirchturm der Welt stehen bleiben und ergriffen zu mir hochschauen, scheint es nicht nur mir so zu gehen.


Was muss unbedingt besser werden?

Ulmer Spatz: Das Wetter. Der Nebel nimmt mir viel zu oft die Sicht auf mein schönes Ulm. Ändern kann das aber leider niemand.


Stimmt es denn tatsächlich, dass die Münstererbauer von Dir gelernt haben, wie man einen langen Balken am einfachsten durch ein Tor bringt? Oder ist das wirklich nur eine Sage?

Ulmer Spatz: Die einen glauben, dass die Handwerker beim Bau des Ulmer Münsters mit einem quer transportierten Balken an einem Stadttor hängen blieben und von mir lernten. Die anderen wiederum kennen die Geschichte von der Ulmer Friedenstaube mit Ölzweig im Schnabel, die viel zu klein geraten war und daher als Spatz verspottet wurde. Mal ehrlich: Sehe ich aus wie eine kleine Taube?


Ganz ehrlich, sind wir Ulmer ein bisschen einfältig?

Ulmer Spatz: Ich sage nur: Albert Einstein, Conrad Dietrich Magirus, Otto Kässbohrer, Universitätsstadt, Wissenschaftsstadt, die erste Dampfmaschine, die Ulmer Leiter…. Ich glaube, damit hat sich die Frage erledigt, oder?


Weltweit sollen etwa 500 Millionen Haussperlinge – wie Du ja auch genannt wirst – herumfliegen. Wohl keiner ist so bekannt wie Du. Sogar der Asteroid 8345 wurde nach Dir benannt. Ist Dir Deine Bekanntheit nicht manchmal zu viel?

Ulmer Spatz: Wenn ich die Frage an dieser Stelle ergänzen darf: Ich habe noch andere wichtige Namensvetter wie den Ulmer Spatzenchor, die Fußballer des SSV Ulm oder auch die Stiftung Ulms kleine Spatzen. Ob mir das zu viel ist? Keineswegs – ich freue mich sehr darüber.


Hast Du schon gehört, dass auch wir Ulmer nun mit dem Flugsimulator Birdly durch das alte Ulm flattern können? Findest Du das nicht ein bisschen albern?

Ulmer Spatz: Auch wenn man es mir auf den ersten Blick nicht ansieht, bin ich total offen für digitale Neuheiten und ich finde Birdly passt sehr gut zur innovativen Stadt Ulm. Schade, dass ich hier oben festsitze und wahrscheinlich auch zu schwer bin, um mich auf den Flugsimulator zu legen.


Noch eine letzte Frage, bevor wir wieder hinabsteigen. Welche drei Begriffe fallen Dir spontan zu Ulm ein?

Ulmer Spatz: Das ist einfach: traditionell, bunt und lebendig.


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