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[Stadtgesichter] Interview


Foto mit zwei männlichen Teenager

„Klima ist ein Thema, das alle angeht!“

Am 20. September 2019 ruft die Bewegung „Fridays for Future“ (FFF) weltweit zum Generalstreik aller Generationen auf. In Ulm wird es die dritte Demo geben. Die Organisatoren Felix Häußler und Niko Weiß haben sich in den Ferien für ein Interview mit uns Zeit genommen.

Seit wann gibt es denn in Ulm eine FFF-Gruppe?
Felix: Die Ersten in der Gruppe haben sich im Januar 2019 zusammen getan. Mittlerweile sind wir knapp über 30 Organisatoren, aufgeteilt in mehreren AGs.

Ihr beide seid 16 und 17 Jahre alt. Wie alt sind die anderen im Orga-Team?
Die Jüngste ist zwölf, der Älteste ungefähr 26.

Foto mit Redakteurin Barbara Lang und zwei männlichen Teenager

Manche Politiker oder Schulleiter schimpfen Euch ja „Schulschwänzer“ und wollen harte Geschütze auffahren. Wie sind Eure Erfahrungen hier in Ulm?
Niko: Also, ich hatte am Schubart Gymnasium bisher keine Probleme. Unser Schulleiter zeigt sich sehr kooperativ, weil es ja ein politisches und soziales Engagement ist. Zumal wir in Ulm ja nur die globalen Klimastreiks abhalten, etwa alle zwei Monate.

Ihr geht also nicht jeden Freitag auf die Straße?
Niko: Nein, dafür ist Ulm zu klein – wir könnten nicht jede Woche so viele Menschen mobilisieren.

Wie viele waren denn bei den ersten beiden Demos dabei?
Felix: Im März waren es etwa 2.200, im Mai über 3.000. Wir hoffen natürlich, dass es im September beim Generalstreik noch mal mehr werden.

Bisher hab ich noch von keiner FFF-Demo gehört, bei der es Gewalt gab …
Niko: Das ist absolut faszinierend, dass so viele Menschen, die auch so verschieden sind, vollkommen friedlich für ein Ziel kämpfen können.
Felix: Wir bekamen bisher von der Polizei immer die Rückmeldung, dass alles so gut läuft, wie sonst selten.

FFF hat ja von vielen Wissenschaftlern, Promis und Institutionen Unterstützung erfahren. Welche Resonanzen bekommt Ihr in Ulm?
Felix: Eigentlich durchwegs positiven Zuspruch. Es gibt auch eine Parents for Future- und eine Scientists for Future-Gruppe in Ulm, die uns zum Teil organisatorisch und beratend unterstützen.
Niko: Auch von den Oberbürgermeistern, Parteien und Institutionen kommen Einladungen.

Geht es bei diesen Gesprächen dann um die allgemeinen Forderungen oder habt Ihr spezielle für Ulm und Neu-Ulm erarbeitet?
Felix: Wir haben eine Liste mit lokalen Forderungen erstellt – die auch von verschiedenen NGO’s und den Scientists for Future Ulm mit unterschrieben wurden.

Foto mit Redakteurin Barbara Lang und zwei männlichen Teenager

Was steht da alles drin?
Felix: Wir fordern den Ausruf des Klimanotstands und entsprechende Maßnahmen. Außderdem haben wir Forderungen für die Bereiche Radverkehr, Öffentlichen Nahverkehr, Energiewende und Lokalen Handel.

Kann man das irgendwo einsehen?
Felix: Ja, im Internet unter forderungen.fridaysforfutureulm.de

Arbeitet Ihr also auch mit an den Lösungen?
Felix: Ja, in Ulm geht es zum Beispiel darum, die Fahrradwege auszubauen, sicherer zu machen. Ich hab schon von Vielen gehört, dass sie sich in Ulm nicht wohlfühlen, auf der Straße mit dem Rad zu fahren. Dazu wollen wir ein Fahrrad-Parkhaus, statt einer weiteren Autogarage.

Welche Maßnahmen könnte die Stadt schnell und mit großer Wirkung für das Klima umsetzen?
Felix: Ich finde, wenn eine Stadt ihre Vorbildfunktion ernst nimmt, kann sie relativ umkompliziert ihren eigenen Fuhrpark und den Öffentlichen Busverkehr auf Elektro- oder Wasserstoff umrüsten …
Niko: … oder das aktuelle Angebot der SWU ausweiten und die Fahrten mit Bussen und Straßenbahnen für immer am Wochenende kostenlos anbieten.
Felix: Es sollte auf jeden Fall günstiger sein, mit öffentlichen Verkehrsmitteln in die Stadt zu fahren, als für einen Parkplatz zu zahlen.

Und wo steht unsere Doppelstadt bei diesen Themen?
Felix: Die Stadt hat zwar einen Klimaschutzplan, aber sie weiß nicht so recht, wie sie ihn umsetzen soll.
Niko: Bisher ist das alles noch sehr theoretisch – der Schritt in die Praxis muss jetzt aber mal kommen.

Was kann denn jeder Einzelne von uns tun, um einen effektiven Beitrag zum Klimaschutz zu leisten?
Felix: Die Ernährung spielt eine ganz große Rolle. Wenn jeder seinen Fleischkonsum langsam reduziert, ist schon viel erreicht.
Niko: Beim Einkaufen statt der Plastiktüten für Obst und Gemüse Mehrwegbeutel benutzen. Oder an der Fleisch- und Käse-Theke die Ware direkt in eine mitgebrachte Dose füllen zu lassen.
Felix: Jeder kann die Nutzung seines Autos hinterfragen und reduzieren – gerade kleine Fahrten, wie zum Bäcker, sind nicht nötig. Es ist wichtig, mit kleinen Schritten anzufangen und die langsam auszubauen.

Organisiert Ihr auch andere Aktionen außerhalb der Schulzeit?
Niko: Wir hatten Clean-Up-Aktionen, bei denen wir Müll aufgesammelt haben und Die-In-Aktionen, bei denen wir wie tot umfallen, um auf den Klimawandel aufmerksam zu machen. Viel Spaß hat auch die 48-Stunden-Aktion in der Friedrichsau gemacht, mit Bands, Rednern, Demos, Clean-Ups …
Felix: Dann die Mahnwache, bei der wir die Menschen auch gebeten haben, vorzukommen und Ihre Meinung zu sagen. Das war wirklich beeindruckend …
Niko: … da haben manche Kinder aus dem Stegreif in ganz starken Worten Reden gehalten. Der jüngste war vielleicht neun Jahre alt. Das zeigt auch wieder, wie sehr Kinder aufgrund ihres Alters unterschätzt werden.

Und nun steht der 20. September vor der Tür – was genau ist in Ulm geplant?
Felix: Wir wollen diesmal auf den Münsterplatz zur Kundgebung, wollen dort eine große Bühne aufbauen und zwei, drei Bands spielen lassen. Das Besondere ist außerdem, dass wir zusammen mit mehreren NGO’s demonstrieren und es auch von denen Reden und Infostände geben wird. Und wir rufen alle Generationen auf: Kommt vorbei, wenn Euch die Zukunft wichtig ist!

Ich selbst war auch beide Male schon dabei und habe von Familien mit Kinderwagen bis hin zu Rentnern alles gesehen.
Niko: Ja, wir haben auch schon Blumensträußchen von „Grannys for Future“ bekommen – total süß! Es sind auf jeden Fall alle Generationen willkommen.

Bei der ersten Ulmer Demo war strömender Regen, bei der zweiten Wind – habt Ihr noch den ultimativen Tipp für stabile, wetterfeste Plakate?
Felix: Nach unserer Erfahrung hält Acrylfarbe auf Stoff am besten und lässt sich mehrmals verwenden. Am Green Parking Day am 14. September bieten wir an, gemeinsam Banner für die Demo am 20. zu gestalten.

… zu der hoffentlich viele friedliche Teilnehmer jeden Alters kommen. Wir wünschen Euch viel Erfolg und bedanken uns für das Gespräch!


Das Interview führte Barbara Lang
Interviewfotos: Savannah Blank

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