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Stadtgesichter


Wir können mehr leisten als wir denken

Sie ist am bayerischen Ammersee in der Nähe der Berge aufgewachsen und sieht sich auch heute noch die Welt gerne von oben an. Sicher ist: Die begeisterte Bergwanderin Sabine Schwarzenböck verliert auch als Leiterin der städtischen Kultur-abteilung nie den Blick fürs Ganze.

 

Frau Schwarzenböck, Sie sind Leiterin der städtischen Kulturabteilung, die die Organisation von Kulturveranstaltungen innehat. Was ist Ihre Hauptaufgabe?

Sabine Schwarzenböck: Man kann sagen, dass bei uns im Büro viele Fäden zusammen-laufen. Dabei arbeiten wir bei der Organisation und Koordination von kulturellen Ver-anstaltungen eng mit den verschiedenen Kultur- und Kreativschaffenden sowie mit den anderen städtischen Institutionen wie Stadthaus, Museum, Theater und Bibliothek zusammen. Mein Team und ich planen jedoch auch selbst Veranstaltungen. Dazu gehört aktuell das Projekt „Pop Up Space“, bei dem kreative Köpfe und Kulturschaffende jeweils donnerstags bis Ende November die Wilhelmsburg bespielen und beleben. Mit diesem vom Bund geförderten Projekt wollen wir ausloten, welche kulturellen Veranstaltungen in dem historischen Bauwerk überhaupt möglich sind.

 

An welchem Projekt sind Sie derzeit noch beteiligt?

Sabine Schwarzenböck: Unter anderem koordinieren wir die Errichtung des städtischen Kunstdepots, das Ende 2019 in ein Gebäude in der Blaubeurer Straße einziehen wird. Hier wird die Stadt Ulm ihre kulturellen Schätze der Bib-liothek, des Stadthauses, des Museums oder des Archivs, die momentan allesamt noch auf sehr beengtem Raum untergebracht sind, besser und sicherer lagern. So kann man auch später noch viel Freude daran haben.

 

Wird das Kunstdepot auch öffentlich zugänglich sein?

Sabine Schwarzenböck: Ich bin mir sicher, dass dort unter anderem auch Führungen stattfinden werden.

 

Sind wir Ulmer ein kulturinteressiertes Völkchen?

Sabine Schwarzenböck: Absolut! Und wir sind auch – positiv gemeint – ein sehr verwöhn-tes Völkchen, da es in der Stadt ein sehr facettenreiches Kulturangebot gibt. Von Kultur-müdigkeit ist nichts zu spüren!

 

Wo besteht denn in der Kulturszene noch Handlungsbedarf?

Sabine Schwarzenböck: Ich wünsche mir gelegentlich mehr Input von außen, um neue Ideen und andere Möglichkeiten der Entfaltung zu entwickeln. Wir streben zum Beispiel derzeit eine Kooperation mit der Ars Electronica in Linz an, das weltweit renommierteste Festival für digitale Kunst. Ich würde mich freuen, wenn es uns gelingt, hie und da den Blick über den Tellerrand zu heben, davon kann die Stadt nur profitieren.

 

Blicken wir einmal auf das Jahr 2019. Auf welches Projekt freuen Sie sich ganz besonders?

Sabine Schwarzenböck: Da haben wir einiges im Köcher. Ich persönliche freue mich besonders auf den „förderpreis junge ulmer kunst“, bei dem alle zwei Jahre Ulmer Talente ausgelotet und gefördert werden.

 

Welche Voraussetzungen gilt es für mögliche Preisträger zu beachten?

Sabine Schwarzenböck: Die Bewerberinnen und Bewerber müssen in Ulm geboren sein oder ihr künstlerisches Betätigungsfeld überwiegend in Ulm haben  und dürfen nicht älter als 30 Jahre alt sein. Insgesamt werden in folgenden sechs Sparten Preise ausgelobt: Literatur, Bildende Kunst, Darstellende Kunst, Klassische Musik, Populäre Musik und Film. Entschieden wird von einer Jury.

 

Apropos Musik. Sie haben Waldhorn studiert und lange in einem Orchester mitgewirkt. Spielen Sie heute noch ein Instrument?

Sabine Schwarzenböck: Ja, aber die richtig aktive Zeit ist vorbei. In der Combo Commu-nale, dem Orchester der städtischen Mitarbeiter, bin ich jedoch dabei.

 

Sie haben ein ganz besonders Tattoo auf dem Arm. Was bedeutet es?

Sabine Schwarzenböck: Es erinnert mich an eine schwierige Situation auf einer Skitour in den Schweizer Alpen. Dieser Vorfall hat mir gezeigt, dass wir Menschen, wenn es darauf ankommt, wesentlich mehr leisten können als wir gemeinhin annehmen.

 

Neben Ihrer Arbeit in Ulm schauen Sie sich als passionierte Bergsteigerin die Welt gern von oben an. Zudem sind Sie Geschäftsführerin des Vereins „Frauen wandern anders“. Was verbirgt sich dahinter?

Sabine Schwarzenböck: Ich habe mit einer Kollegin zusammen festgestellt, dass Frauen im Gebirge oftmals anders unterwegs sind als Männer. Diese setzen oft den Fokus mehr auf „Höher, schneller, weiter“ und sind eher „Gipfelversessen“. Frauen hingegen können den Weg dorthin mehr und besser genießen. Wir bieten deshalb geführte Wanderreisen für Frauen in kleinen, überschaubaren Gruppen an. Daneben liegt es uns am Herzen, Schülerinnen und Schülern Naturwissen und Selbstverantwortung zu vermitteln und somit auch der nachfolgenden Generation etwas mitzugeben.

 

Sie wohnen noch nicht lange in Ulm. Dennoch: Welche drei Begriffe verbinden Sie mit der Stadt?

Sabine Schwarzenböck: Ulm ist für mich quirlig, offen und heimelig.


Bis 2020 im Amt

Da die bisherige Leiterin der städtischen Kulturabteilung Sabrina Neumeister nicht aus ihrer momentanen Elternzeit zurückkehren wird, wurde der Vertrag mit der Kultur-managerin Sabine Schwarzenböck, die die Leitung bereits vertretungsweise innehatte, bis 2020 verlängert.


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