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Stadtgesichter


Über die Freude an der eigenen Stimme

Singen ist gesund. Auch aus diesem Grund leitet Martin „Monty“ Winter den A-Cappella Popchor „Choriosity“. Wir trafen den 36-jährigen Mediziner und leidenschaftlichen Musiker zum Gespräch im Café Jam. Dabei erfuhren wir unter anderem, weshalb der Gesang in der Gemeinschaft so kostbar ist.


Herr Winter, seit wann gibt es denn Choriosity schon?

Martin Winter: Seit genau vier Jahren. Die Gruppe wurde im Oktober 2013 von einigen Medizinstudenten und mir gegründet. Choriosity ist ein Chor des Christlichen Vereins junger Menschen (CVJM).


Wie viele Mitglieder haben Sie bereits?

Martin Winter: Im Moment sind es 120 Sängerinnen und Sänger, mit denen wir zum Beispiel im Roxy, im Stadthaus oder in Ulmer Kirchen auftreten. Zweidrittel davon sind Frauen. Manchmal präsentieren wir unsere Lieder auch in kleineren Gruppen. Das hängt jeweils von der Größe der Bühnen ab.


Wie werden neue Mitglieder auf Choriosity aufmerksam?

Martin Winter: Das ist eine gute Frage. Ganz ehrlich: Ich weiß es nicht genau. Doch Mund-zu-Mund- Propaganda spielt sicherlich eine große Rolle. Auch mit unserer Social Media-Arbeit erreichen wir viele junge Leute. Es gibt sehr viele gute Chöre in Ulm, doch was wir machen, nämlich A-Cappella-Pop, ist in der Stadt einzigartig. Zurzeit haben wir etwa 80 Interessierte auf unserer Warteliste.


Welche Voraussetzungen muss man erfüllen, um mitsingen zu dürfen?

Martin Winter: Man muss ganz einfach Spaß am Gesang haben. Wir haben Chormitglieder, die noch nie gesungen haben, manche bringen bereits viel Erfahrung mit. Wenn jemand jedoch das Gefühl entwickelt, dass er irgendwann mit dem Tempo oder mit dem musikalischen Level nicht mithalten kann, welches der Chor über Jahre hinweg entwickelt hat, dann spricht man offen darüber. Das kommt mitunter auch vor.


Weshalb ist es denn wichtig, in einer Gruppe zu singen?

Martin Winter: Der Gesang ist eine sehr persönliche Sache. Und wenn man ihn mit Gleichgesinnten erleben kann, dann entsteht Raum, um noch mehr Freude an seiner Stimme zu entwickeln. Ganz wichtig ist es, dass man sich am Ende eines vielleicht langen und anstrengenden Tages von der positiven Kraft und Energie der Gruppe anstecken lassen kann. Zudem kann Chorarbeit einen wichtigen Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung leisten, da sie den Teilnehmern die Möglichkeit bietet, sich durch Gesang zu entfalten.


Weshalb ist Kultur überhaupt wichtig in unserer Gesellschaft?

Martin Winter: Ich glaube, dass alle Menschen nach einer Ausdrucksform für ihre Gefühle streben. Kultur kann diesen individuellen Raum schaffen. Dies gelingt unter anderem mit darstellender Kunst oder eben mit der Musik. So muss Kunst nicht immer ästhetisch oder schön sein im Sinne der vorherrschenden Norm, sie ist jedoch immer Ausdruck der Persönlichkeit.


Wer trifft die Auswahl der Titel?

Martin Winter: Das machen wir immer gemeinsam im Chor, dazu gibt es Vorschläge aus den Reihen der Sängerinnen und Sänger mit einer anschließenden Liederwahl. Darunter sind Filmtitel, Pop- und Jazzstücke sowie Coverversionen.


Haben Sie einen persönlichen Lieblingstitel?

Martin Winter: Im Moment ist das „Fix you“ von Coldplay. Dieses Lied hat eine, wie ich finde, unglaubliche Kraft. Drei Jahre lang habe ich es jedoch nicht mit ins Programm aufgenommen, bis unser Arrangeur Matthias Kost nun einen 8-stimmigen Satz dazu geschrieben hat, von dem ich hundertprozentig überzeugt bin. Nun können wir dem Lied den Ausdruck verleihen, der auch von Coldplay im Stück enthalten ist.


Sie sind in Budapest geboren, leben nun bereits seit sechs Jahren in Ulm. Welche drei Begriffe fallen Ihnen spontan zu Ihrer neuen Heimatstadt ein?

Martin Winter: Drei Begriffe sind ziemlich wenig für so eine Stadt. Für mich als „Zugezogenen“ ist Ulm sehr schwäbisch und doch auch international. Die Menschen hier sind an Kultur, Gesellschaft und an persönlichen Beziehungen interessiert.


Auftritt in der ausverkauften Carnegie Hall
Die Mitglieder von Choriosity, die jeden Dienstag ab 19.30 Uhr im Bonhoeffer Saal im Café JAM am Münsterplatz 21 proben, finden bereits ein breites Publikum. Im April waren sie für zehn Tage in New York, wo sie unter anderem vor knapp 3.000 Zuhörern in der weltberühmten Carnegie Hall auftraten. Im November tritt der Chor beim Landeschorwettbewerb Baden-Württemberg an, der gleichzeitig der Landesvorentscheid zum Deutschen Chorwettbewerb 2018 ist. „wohin“ wünscht viel Erfolg.


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