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Stadtgesichter


„Ich sammle Fernsehtürme“

Mit einem zufällig entdeckten Bildband fing alles an. Seit frühester Kindheit fasziniert Til Maehr das Flair von Flohmärkten. Vor über 25 Jahren hat der 58-Jährige diese Leidenschaft zum Beruf gemacht. Heute organisiert er unter anderem Gartenbörsen, Handwerker- und Weihnachtsmärkte von Ulm bis Heilbronn.


Herr Maehr, am 2. Dezember organisieren Sie den bereits dritten Indoor-Flohmarkt in den Räumen eines ehemaligen Supermarkts im Blautal-Center. Kann man diesen Markt als eine Art Pop up-Markt betrachten, der vorübergehend in leerstehenden Räumen veranstaltet wird?

Til Maehr:Eigentlich ja. Es ist eine andersartige Zwischennutzung. Und sie funktioniert sehr gut. Die beiden ersten Veranstaltungen im Oktober und November wurden von allen Seiten sehr positiv aufgenommen. Ich könnte mir vorstellen, so etwas auch zu gegebener Zeit an gleicher oder anderer Stelle zu wiederholen.


Was für Händler machen mit bei Ihren Märkten und kommen nach Ulm?

Til Maehr: Die unterschiedlichsten Menschen, mit unzählbaren Variationen von Angeboten. Hinter den Fassaden der Teilnehmer stecken reihenweise Lebenskünstler, die auf Märkten zuhause sind. Da sind einige Menschen, die mit mir und meinen Märkten seit über zwanzig Jahren umherreisen. Viele Teilnehmer sind durch die Märkte untereinander befreundet, manche wurden schon zu Paaren. Für manche Teilnehmer waren unsere Märkte schon ein Sprungbrett zu größeren, internationalen Märkten und Messen. Ich habe das Glück einen sehr bunten Haufen an Menschen um mich herum zu haben und in der Regel sind sie vom gleichen Virus befallen wie ich.


Sind die Ulmer ein dankbares Publikum?

Til Maehr: Ja, das zeigt schon die Vielzahl an Flohmärkten, die es in Ulm und um Ulm herum gibt. Mir ist es wichtig, dass wir im Blautal-Center einen klassischen Flohmarkt anbieten. Neuwaren haben hier keinen Platz. Das honorieren die Besucher. Im April erfülle ich mir übrigens einen langersehnten Wunsch und organisiere an dieser Stelle einen Design-Flohmarkt, auf dem es die schönsten Dinge aus den 50er- bis hin zu den 90er-Jahren gibt.


Was war Ihr persönlich interessantester Fund auf einem Flohmarkt?

Til Maehr: Ein Modell vom Stuttgarter Fernsehturm. In früheren Zeiten musste man in metallverarbeitenden Lehrberufen ein Prüfungsexemplar herstellen, und das war häufig ein Fernsehturm, je nach Region der nächstgelegene. Sie sind meist 20 bis 40 Zentimeter hoch. Ich habe kürzlich von einem Teilnehmer sogar einen Fernsehturm mit über einen Meter Höhe angeboten bekommen. Den musste ich einfach haben. Ich sammle diese Modelle seit einigen Jahren, aber ein solch großes Exemplar habe ich noch nie in den Händen gehalten.


Weshalb sollte man unbedingt einen Flohmarkt besuchen?

Til Maehr: Viele Gäste kommen nicht nur um unbedingt etwas zu kaufen, sondern genießen die Atmosphäre. Ein Besuch ist ein buntes, vielseitiges Erlebnis. Viele suchen auch ganz besondere Dinge. Dies kann eine originelle Kuckucksuhr oder ein schicker Designsessel sein. Ich achte auch darauf, dass die Stände ein ansprechendes Outfit haben und zum Beispiel keine leeren Kisten herumstehen.


Sie organisieren mit Ihrer Firma „ESMärkte“ Garten- und Pflanzenbörsen, Kunsthandwerker-, Antik-, Bücherund auch Weihnachtsmärkte. Unter anderem auch den Wintermärchenmarkt am 2. und 3. Dezember in Blaubeuren mit kreativem Adventsmarkt. Warum fokussiert sich ein Esslinger Marktveranstalter auf Ulm und Umgebung?

Til Maehr: Naja… ein Esslinger kehrt an den Ort seiner Jugend zurück, das ist ja nicht sehr weit hergeholt. Ich bin schon zu meinen Ulmer Schulzeiten auf etlichen Flohmärkten als Teilnehmer dabei gewesen. Dieser Virus hat mich nie losgelassen. Erst 1990, nach meinem Umzug nach Esslingen, habe ich dort mit eigenen Veranstaltungen begonnen. Es war für mich aber immer schon vorstellbar auch in Ulm und Umgebung Märkte zu organisieren.


Ist denn die Organisation von Märkten ein einträgliches Geschäft?

Til Maehr: Ich habe meine beiden Hobbys, auf Märkten selbst als Verkäufer aufzutreten und Märkte zu organisieren, zum Beruf gemacht. Beide Standbeine zusammen ermöglichen mir ein Leben, so wie ich es möchte.


Welche drei Dinge verbinden Sie mit Ulm?

Til Maehr: Eine schöne Jugendzeit, den Garten meiner Eltern in Eggingen sowie die Hochschule für Gestaltung HfG auf dem Kuhberg.

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