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Stadtgesichter


Peter Gruber kämpft für die Jazz-Szene in Ulm

Fast 65 Jahre spielt er schon Schlagzeug. Sein Faible: der Jazz. Bereits in frühen Kindheits-tagen kurz nach dem zweiten Weltkrieg fand er die Liebe zur amerikanischen Musik. Noch immer spielt er mit verschiedenen Bands in diversen Ulmer Clubs. Doch die Ulmer Jazz-Szene ist gefährdet. Zu wenig Auftrittsmöglichkeiten, zu wenig öffentliche Unter-stützung, zu wenig Aufmerksamkeit der Medien, klagt Gruber. Wir haben den Ulmer Vollblutmusiker zu einem Gespräch getroffen.

Herr Gruber, seit vielen Jahrzehnten sind Sie einer der bekanntesten Jazz-Musiker in Ulm/Neu-Ulm. Wie kamen Sie eigentlich zur Jazz-Musik?

Peter Gruber: Das war einfach. Meine Mutter vermietete damals Anfang der 50er Jahre Zimmer an Jazz-Musiker. Die spielten abends bei den Amerikanern. Man muss sich das vorstellen: Fünf amerikanische Clubs gab es in Neu-Ulm. Und: In jedem wurde Jazz-Musik gespielt. Damals war Tanz- und Jazz-Musik ein und dasselbe. Es gab keine Genres wie Rock´n Roll. Das kam erst viel später. Die Musiker haben dann teilweise bei uns im Wohnzimmer geübt. Sie hatten ja tagsüber Zeit. Ihr Dienst fing abends um 19 Uhr an und dauerte bis 22.30 Uhr. Spätestens um 23.00 Uhr saßen dann alle wieder bei uns im Wohnzimmer.

 

Und Sie mittendrin?

Peter Gruber:Ja, ich war dabei und durfte sitzen bleiben, bis ich eingeschlafen war. Jedenfalls habe ich dabei mehr über Jazz und Musik allgemein gelernt als andere auf der Musikschule. Denn man lernt mehr über´s Reden als über´s Üben, weil sie dabei eher etwas über die Geheimnisse des Musikmachens lernen können.

 

Und wann haben Sie Schlagzeug gelernt?

Peter GruberIch habe es nie gelernt. Ich habe mich hingesetzt und gespielt. Zu Anfang bei den Pfadfindern auf dem Waschbrett. Unser Banjospieler, der auch in einer Dixi-Land-Band spielte, sagte zu mir eines Tages: Wir haben ein Schlagzeug aber keinen Schlag-zeuger. Wer Waschbrett spielen kann, der kann auch Schlagzeug spielen. Und so kam es. Ich habe jahrelang durch die Fenster verschiedener Clubs den Jazz-Bands zugesehen und mir vieles abgeschaut. Ich bin also eigentlich eher Schauspieler, erst später wurde ich Schlagzeuger. Ich habe imitiert, was ich dort in den 50er Jahren gesehen habe. Das hat lange Zeit gereicht, weil die anderen genauso schlecht waren wie ich. Richtig gelernt habe ich Schlagzeugspielen erst, nachdem ich pensioniert war. Meinen ersten Jazzbesen bastelte ich mir aus Schweißdrähten. Geübt wurde auf dem Gitterrost eines elektrischen Beistellofens zur Musik des AFN.

 

Herr Gruber, seit mehr als 60 Jahren sind Sie begeisterter Jazz-Musiker. Sie haben in vielen Bands gespielt und waren auch oft im Radio zu hören. Man kennt Sie in Ulm und Sie haben etliche Auftritte mit Ihren heutigen Jazzbands. Dennoch scheinen Sie nicht zufrieden mit der jetzigen Situation?

Peter GruberSchauen Sie, wenn Sie heute Jazz-Musik im Rundfunk hören wollen, dann müssen Sie nachts um 2 Uhr den Bayerischen Rundfunk hören. Wenn Sie Glück haben, läuft dort einmal die Woche Jazz-Musik. Von wegen öffentlich-rechtlicher Auftrag. Auch hier vor Ort müssen wir alles selbst organisieren. Von selbst kommt kein Veranstal-ter kommt kein Veranstalter auf mich zu. Da muss man sich schon selbst kümmern.

 

Und woran liegt das?

Peter GruberEs ist doch so zu sehen, dass das Publikum, das wirklich Jazz hören möchte, genauso grauhaarig ist wie ich. Sie sind fast alle zwischen 60 und 80 Jahre alt. Na ja, es gibt auch einige junge Leute, die dann zu unseren Auftritten in den Kornhauskeller, die Hudson Bar oder den Sauschdall kommen.

 

Und was kann die Kommunalpolitik tun?

Peter Gruber: Jetzt will ich nicht ungerecht sein. Die Stadt finanziert große Teile des „Sauschdall“-Programms. Das reicht aber nicht. Ich stelle mir  irgendwann mal wieder eine Art Festival vor. Nicht so wie früher, als an einem Abend in 14 verschiedenen Lokalen überall eine Jazz-Band spielte. Es würde schon reichen, wenn die Stadt das Podium zur Verfügung stellen würde.

 

Ein Forum für Jazz-Musik?

Peter Gruber: Ja, beispielsweise auf der Wilhelmsburg, im Roxy der kleine Saal. Dort könnte man einmal im Monat eine kontinuierliche Jazz-Veranstaltungsreihe aufziehen. Und, da müssen ja auch nicht immer die Gleichen spielen. Wir haben genügend Ulmer Musiker, die wirklich Weltklasse sind.

 

Herr Gruber, zum Schluss gefragt: Was begeistert Sie an Ulm?

Peter Gruber: Ich bin ein Ulmer Patriot. Ich könnte Ihnen jederzeit Stadtführungen von A-Z machen, so begeistert bin ich von meiner Stadt. Ich schätze die kurzen Wege, dass alles so nah, so vertraut ist. Und natürlich schätze ich die Ulmer Küche. Ich habe in vielen Hotels Deutsch-lands, der Schweiz und Italiens gewohnt und so manches Sterne-Restaurant besucht. Und trotzdem kann man mir keine größere Freude machen als mit Linsen und Spätzle.

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